Selbstständigkeit: Warum Geld mich nicht motiviert

Momentan stecke ich in den allerletzten Zügen an der Arbeit meines E-Courses für Nähanfänger. Mich da am Ball zu halten hat mich in den letzten Wochen wirklich einiges an Nerven gekostet, weshalb ich mir währenddessen immer wieder automatisch Gedanken zu extrinsischer und intrinsischer Motivation gemacht habe. Jetzt, wo das Ende in Sicht ist und ich der Erscheinung entgegen fiebere, wollte ich euch gern ein bisschen an meinen Gedanken teilhaben lassen:

Dass es nicht nur Vorteile mit sich bringt, sein eigener Chef zu sein und Freiheit auch Last bedeuten kann, das wissen wir eigentlich alle. Im Arbeitsalltag muss man sich als Selbstständiger immer wieder selbst motivieren, gerade in schwierigeren Phasen, in denen man das Gefühl hat, das einfach nichts klappen will – anstatt weiter zu machen, weiter zu kämpfen, könnte man schließlich auch einfach im Bett liegen bleiben. Niemand würde es merken.

Extrinsische und Intrinsische Motivation – welche Motivatoren helfen mir? Und welche überhaupt nicht?

Als Motivator können die verschiedensten Dinge herhalten. Ich habe in den letzten Monaten festgestellt, dass ein Teil in mir schnell dazu neigt, externe Faktoren wie den Kontostand („Denk ans Geld, was dabei rumkommt“) und gesellschaftliches Ansehen („Was sollen die Leute denken, wenn du nicht voran kommst?“) als Antrieb zu nehmen. Genauso wurde mir aber auch klar, dass das gar keine Punkte sind, die mich wirklich motivieren – im Gegenteil, eher setzen sie mich unter Druck und blockieren mich in der Folge.

Extrinsische und intrinsische Motivation

Wenn ich darüber nachdenke, warum ich das hier alles eigentlich mache, warum ich selbstständig sein will, warum ich in genau diesem Bereich tätig bin, warum ich konkrete Projekte, wie zum Beispiel jetzt den E-Course für Nähanfänger gestartet habe – dann verstehe ich auch schnell, warum Geld mich nicht motiviert: weil es bei den Hintergründen dieser Punkte keinerlei Rolle spielt. Das tun ganz andere Faktoren.

Im Großen und Ganzen kann ich im Bereich der Nähanleitungen nämlich meine beiden Leidenschaften verbinden:

Kreativität und Nachhaltigkeit

Da ich als absoluter Kopfmensch das Nähen und den Zustand des Flows dabei als eine Möglichkeit erkannt habe, endlich dem Grübeln zu entkommen, ist es mir irgendwie ein persönliches Anliegen geworden, anderen Menschen auch diese Form vom „Kopf-Urlaub“ möglich zu machen. Gleichzeitig kann ich jemandem mit dem Beibringen des Nähens den Wert der Arbeit deutlich machen, die hinter einem genähten Produkt liegen und dadurch für Themen wie Ausbeutung in der Massenproduktion sensibel machen. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger und es überhaupt ansprechen zu müssen – denn dass sich der nötige Arbeitsaufwand nicht mit den Preisen der Fast-Fashion-Riesen vereinbaren lässt, merkt man dabei irgendwann (hoffentlich) von selbst.

Zusammengefasst habe ich also die Hoffnung, mit meiner Arbeit zumindest im kleinen Rahmen für mehr Freude und Bewusstsein zu sorgen. Und wenn ich mir das noch einmal kurz vor Augen führe, dann motiviert mich das sehr viel mehr als alles Geld der Welt.

Geld als Notwendigkeit, nicht als Motivator

Abgesehen von der Überzeugung, dass sich in finanzieller Hinsicht schon immer irgendeine Möglichkeit bieten wird, halte ich ein dickes Polster, was über Geld für Notfälle hinausgeht, oder gar Reichtum für nicht erstrebenswert. Während ich mir um die Deckung meiner Fixkosten natürlich keine Sorgen machen möchte, will ich darüber hinaus eigentlich nie in den „Genuss“ kommen, mein Geld unüberlegt aus dem Fenster schmeißen zu können. Auch wenn das in meinem Kopf nicht dauer-präsent ist: Tief im Inneren bin ich tatsächlich ganz gerne in der Situation, Prioritäten setzen zu müssen, mich manchmal im Verzicht zu üben und für größere Investitionen zu sparen. Dieser Einstellung zu Geld liegt übrigens auch der Gedanke zugrunde, dass alles, was man sich über das Notwendige hinaus anhäuft, einem anderen Menschen für gerade dieses fehlt.

Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Nicht umsonst taucht an verschiedenen Punkten im Leben immer mal wieder die Frage danach auf, was man sein Leben lang tun wollen würde, würde Geld keine Rolle spielen – weil sie darauf abzielt, was einen wirklich erfüllt. Und genau darüber habe ich mir vor der Entscheidung, mich selbstständig zu machen, lange nachgedacht. Dass man sich trotzdem oft motivieren muss, ist ganz normal. Nicht alles kann immer rund um die Uhr Spaß machen, selbst wenn es das im Großen und Ganzen doch tut.

 

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3 thoughts on “Selbstständigkeit: Warum Geld mich nicht motiviert

  1. Ich kann deine Gedanken zu 100% verstehen. Geld spielt auch für mich nur eine untergeordnete Rolle – ich will meinen Lebensstandart behalten und finanzieren können – das ist mir vorrangig das wichtigste, denn so wie ich aktuell lebe, fühle ich mich glücklich!

    Wenn ich dann doch „mal mehr“ verdiene, wird das Geld meistens in Reise investiert 🙂

  2. Finde ich sehr interessant, was du schreibst und auch absolut nachvollziehbar. Für mich ist Geld schon ein Motivator, aber ich würde auch für viel Geld nicht mein Leben lang etwas tun müssen, das mir keinen Spaß macht. Bei mir ist es eher so, dass es Dinge gibt, die ich in meinem Leben tun möchte, die eben Geld kosten, wie zum Beispiel verreisen.
    Allerdings würde es mir glaube ich auch sehr schwer fallen, mich jeden Tag selbst zu motivieren, wenn ich selbständig wäre. ich finde du kannst da sehr stolz auf dich sein!
    Das Thema intrinsische Motivation ist allerdings ach etwas, über das ich mir sehr viele Gedanken mache, denn als Lehrerin ist es mir ebenfalls wichtig, meine Schüler nicht nur extrinsisch zu motivieren, sondern auch echtes Interesse in ihnen zu wecken. Gelingt natürlich nicht immer. 😀

  3. Ich muss ganz ehrlich sagen (und vielleicht klingt das jetzt blöd), aber Geld ist superwichtig für mich. Ich mache lieber einen Job, der mir nicht so viel Spaß macht und verdiene damit mehr, als einen Job, der vielleicht megageil ist, aber schlecht bezahlt. Zeit ist so kostbar und ich möchte meine möglichst teuer verkaufen, wenn ich sie schon nicht selbstbestimmt verbringen darf. Vielleicht ist das mal anders, sobald ich irgendwie „abgesichert“ bin und nicht mehr von Monat zu Monat denken muss.

    Denn ja, tief im Inneren wäre ich auch am liebsten selbstständig und würde für mich selbst arbeiten, nicht für ein Unternehmen. Aber dann ist da wieder dieses Sicherheitsbedürfnis und die Angst zu versagen. Hach man, vielleicht kann ich noch 1-2 Jahre Mut und Erfahrung ansammeln und dann auch den Sprung ins kalte Selbstständigkeitswasser wagen.

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