Selbstständigkeit: Zeitdieb „Rechtliches“

Obwohl ich seit meinem Umzug so ziemlich drin bin im „Arbeits-Flow“, mich weit entfernt habe von meinem früheren Aufschiebe- und Vermeidungs-Verhalten und so produktiv bin wie noch nie in meinem Leben zuvor – bekommt ihr hier an dieser Stelle noch gar nicht so viel davon mit.

Denn von meinem Plan, eigene Schnittmuster und Produkte auf den Markt zu bringen, sieht man hier noch nichts. Der Shop ist noch nicht erreichbar und von eigenen Angeboten weit und breit keine Spur. Das setzt mich manchmal ein wenig unter Druck – um ehrlich zu sein bereue ich es etwas, so früh kommuniziert zu haben, dass ich mich selbstständig machen möchte.

Um mir selbst ein bisschen von diesem Druck zu nehmen, habe ich beschlossen, euch einfach mal zu erzählen, womit ich mich momentan hauptsächlich beschäftige:

Neben verschiedenen Aufträgen, die ich angenommen habe, bin ich nämlich längst an der Realisierung meines ersten Anleitungs-PDF’s mit Schnitt zugange. Und obwohl es nur ein vergleichsweise kleines Projekt zum „reinkommen“ ist (Anleitung für drei verschiedene Flaschenschutzhüllen, die passend für die Glasflaschen von Soulbottles sind und Produktion der Hüllen selbst), treten – wie immer, wenn man etwas zum ersten Mal macht – Probleme auf, die den ganzen Prozess unheimlich lahm legen: in meinem Fall

der deutsche Urwald an Gesetzen

Es gibt – wie in jedem Bereich – unheimlich viele Dinge, die man beachten muss, wenn man keine Abmahnung riskieren möchte. Weil ich bei meinen Recherchen immer wieder auf Fälle stoße, die sich anscheinend nicht damit auseinandergesetzt haben und viele Blogger in ähnlichen Bereichen arbeiten wie ich, möchte ich kurz anreißen, mit welchen Problemen ich mich momentan beschäftige:

Selbstständigkeit Rechtliches

Gewerbliche Nutzung von Stoffen

Was mit „ich kaufe einen Stoff, nähe etwas daraus und verkaufe es dann“ so einfach klingt, ist es eigentlich gar nicht. Man darf nicht einfach jeden Stoff gewerblich nutzen und das fängt nicht erst beim Verkaufen eines Produktes aus dem Stoff an, sondern schon bei Anleitungsschritten am Beispiel des Stoffes in Ebooks. Ein gutes Beispiel sind Stoffe von Ikea oder solche mit Motiven aus bekannten (Kinder)filmen oä – Finger weg! Aber auch andere, „normalere“ Stoffe, sind nicht unbedingt zur gewerblichen Nutzung frei. Dann kommt auch noch der Punkt dazu, dass man bei der Nutzung manche Hersteller nennen MUSS, andere aber gar nicht DARF.
Einige wenige Stoffhändler im Internet haben einen Überblick darüber, welche ihrer vertriebenen Stoffe genutzt werden dürfen und welche nicht. Da die wenigsten aber Haftung über diese Auskunft übernehmen wollen, gilt es, um sicher zu gehen: beim Hersteller selbst erkundigen. Und diesen vorher erst einmal heraus finden, denn der steht ja nicht überall bei. Und dann auf Antworten warten.
Ihr könnt euch vorstellen, wie mühselig das ist. Aber wenn man nichts riskieren möchte, führt daran leider kein Weg vorbei. Ich habe dadurch mehrere Wochen gebraucht, um all die Stoffe für mein erstes Ebook zusammen zu bekommen…

Textilkennzeichungsgesetz

Weiß man nun, welche Stoffe man nutzen darf, um zum Beispiel ein Produkt zu nähen, kommt der nächste Punkt: ein textiles Produkt muss insofern gekennzeichnet werden, aus welchen Rohstoffen es besteht und wie die Faserzusammensetzung ist. Und zwar auf ganz bestimmte Weise – sowohl die genaue Bezeichnung der Faser (zB Baumwolle statt Cotton) als auch die Reihenfolge und zig andere Dinge sind von Bedeutung. Manche Produkte sind auch komplett ausgenommen. Noch komplizierter wird es bei Produkten für Babys und Kleinkinder, da dort noch viele gesundheitliche Aspekte eine Rolle spielen. Mehr Infos dazu gibt es unter anderem hier.

Selbstständigkeit Rechtliches

Nutzung von Originalmarken in der Produktbeschreibung

Es gibt einen großen Markt an Ersatzteilen und Zubehör für bestimmte Markenprodukte. Man denke nur an genähte Handyhüllen und dergleichen. Auch meine geplanten Flaschenschutzhüllen zählen dazu. Bei solchen Produkten gibt es ganz genaue Regeln dazu, wie man den Namen der Originalmarke einbindet, sodass man weder einen wettbewerbsrechtlichen, noch einen Markenrechtsverstoß begeht. Mehr Infos dazu gibt es hier und hier.

Verpackungsverordnung

Es könnte so einfach sein: irgendwo die günstigsten Versandtaschen kaufen und sein Produkt zum Kunden schicken. Als Verkäufer, der Verpackungsmaterial in Umlauf bringt, gibt es allerdings auch eine Menge zu beachten, denn Verpackungen sorgen natürlich für eine Menge Abfall. Deshalb geht es bei der Verpackungsverordnung um die Auswirkungen dieses Abfalls und den ganzen Kreislauf des Abfallsystems. Als Verkäufer darf man daher nur lizenzierte Verpackungen nutzen (und natürlich noch ein paar mehr Dinge berücksichtigen…). Mehr Infos hier.

Shop Rechtstexte

AGB, Widerrufsrecht, Datenschutz, Impressum – alles Dinge, die in einem Shop nicht fehlen dürfen und die niemals eins zu eins aus einem anderen Shop kopiert werden sollten! Es gibt so viele Unterschiede, wie zum einen die Plattform, dann aber auch ob zum Angebot nur physische Waren, digitale Waren oder Dienstleistungen gehören, ob man sich als Verkäufer an Unternehmen oder Endverbraucher richtet und so weiter und so fort. Inzwischen gibt es online ziemlich viele Angebote zu Rechtstext-Paketen, die auf den eigenen Shop zugeschnitten werden und sich auch bei Gesetzesänderungen aktualisieren. Für solche Pakete zahlt man allerdings monatlich.
Bei Online-Shops gilt es übrigens noch etliche Dinge mehr zu beachten: wo wird auf welchen Rechtstext hingewiesen, welche Aufschrift genau darf/muss der „Kaufen“-Button haben, welche Infos die Bestätigungs-Mails enthalten, …

Und schon wird aus „du nähst doch nur ein bisschen“  SO VIEL MEHR!

(nicht, dass ich mich mit diesem Vorwurf bisher auseinandersetzen musste, aber was man nicht alles so hört und liest..)

7 thoughts on “Selbstständigkeit: Zeitdieb „Rechtliches“

  1. Hui, das hört sich tatsächlich alles sehr kompliziert an, obwohl du es gut erklärt hast, danke. 🙂
    Lese ich richtig, dass du einige Flaschenhüllen auch verkaufst, also nicht nur die Anleitung, sondern fertige Hüllen? Ich habe nämlich gerade zum Geburtstag eine Soulbottle bekommen und mir bereits Gedanken gemacht, wie ich die unterwegs schützen könnte. Da käme deine Hülle wie gerufen, zumal sie ja aus Bio-Stoffen sein wird, denke ich? 🙂

    1. Hey Gina,
      ja genau, ich möchte die Hüllen selbst auch verkaufen 🙂
      Die Stoffe werden aus Bio-Baumwolle sein und auch die Kordel, die Kordelstopper aus Metall, also plastikfrei. Nur das Volumenvlies, das zum Schutz eingesetzt wird, ist konventionell, da ich dort keine geeignete Alternative gefunden habe, leider :/

  2. Ach wie witzig,habe letze Woche noch an deinen Post über die Soulbottle-Hülle gedacht, und mich gefragt ob ich dich einfach mal anschreiben kann, und dir einen Auftrag einer solchen geben kann.(Falls ich mich endlich für eine Soulbottle entscheiden kann^^)
    LG

  3. Wahnsinn! Dass es da Einiges zu beachten gibt, habe ich vermutet, zumal ich ziemlich viele Rechtsseminare im Studium ableisten muss…aber ganz so arg, hätte ich dann doch nicht gedacht…sehr interessant! Vielen Dank für den Einblick!

  4. Hallo Leni!

    Das finde ich ja furchtbar, warum muss bloß alles so kompliziert sein!!!

    Ich drück Dir die Daumen, dass die Kreativität bald fließen darf.

    lg
    Maria

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