Leben: Vom Selbstbetrug.

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Was ist eigentlich das Schlimmste, das man sich selbst antun kann?

Keinen Respekt vor sich selbst zu haben? Sich selbst zu blockieren? Sich selbst zu hassen?

Ich glaube, das Schlimmste, das man sich antun kann, ist sich selbst zu belügen. Denn wenn man das macht, dann kommen die anderen Sachen da oben von ganz alleine dazu, ohne großes Zutun.

Wenn du dich selbst belügst, dann vertraust du nicht auf deine innere Stimme. Du ignorierst sie, du redest dir ein, dass das schon alles so ganz in Ordung ist, wie es eben ist, und hältst weiter fest an dem Weg, der eigentlich nicht für dich bestimmt ist. Weil es nicht dein Weg ist.

Nein, das Schlimmste ist gar nicht, wenn du dich selbst belügst – sondern wenn du dir diese Lügen dann auch noch glaubst. Dir selbst etwas vorzumachen, dich zu verarschen, dir einzureden, dass es doch genau das ist, was du willst vom Leben, und die Zweifel immer wieder zu unterdrücken – das ist scheiße. Das macht dich krank.

Denn so führst du kein Leben nach deiner eigenen Fasson, deinen eigenen Werten, nicht DEIN Leben. Du gehst nur den einfachen Weg. Einen Weg zwar mit Zweifeln, mit Unsicherheiten – du wirst währenddessen vielleicht immer garstiger, immer unzufriedener und zwischendurch lässt du deinen Aggressionen freien Lauf, denn es funktioniert nicht mehr, sie immer weiter unter der Oberfläche brodeln zu lassen – aber doch, den einfacheren Weg.

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Weil es immer einfacher ist, sich nicht mit sich selbst auseinander zu setzen, sich nicht zu fragen: Was willst du eigentlich vom Leben? Was erwartest du überhaupt? Wie sieht dein eigener Weg aus? Sondern einfach weiterzumachen, so wie man es halt immer irgendwie gemacht hat.

Aber genau das ist Selbstbetrug.

Und irgendwann, wenn du dich selbst nicht mehr erkennst, dann fragst du dich vielleicht ganz plötzlich, was zum Teufel das hier eigentlich alles soll. Wie du es übersehen konntest, nicht merken konntest, oder dir einfach nicht eingestehen konntest, dass es eben nicht das ist was du willst.

Und dann bist du vielleicht irgendwann bereit, den schwierigeren Weg zu gehen, auf dem du höchstwahrscheinlich andere verletzen, auf Sicherheiten verzichten und auch negative Konsequenzen annehmen musst, um mit dir selbst wieder ins Reine zu kommen.

Das ist nicht schön, aber das muss dann leider sein. Denn letztlich ist es das Wichtigste, dass es DIR gut geht. Natürlich nicht ohne Rücksicht auf Verluste.
Aber nichts ist wichtiger, als dass du mit dir und deinem Leben zufrieden bist.

Nichts ist wichtiger, als in den Spiegel schauen zu können und vor dem, was man da sieht, Respekt zu haben. Weil man weiß, dass man seinen Weg geht.

Und nichts wäre trauriger, als sich am Ende seines Lebens zu wünschen, man hätte doch nur besser auf die leise Stimme in sich selbst gehört. Denn dann ist es zu spät. Man hat dann ein Leben gelebt – aber nicht sein eigenes.

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5 thoughts on “Leben: Vom Selbstbetrug.

  1. Hi, schön zu lesen, was du schreibst. Unsere Seele ist kein Monolit, eher wohl ein facettenreiches Vielfachwesen, libellengleich und doch, von fern betrachtet, allzugern verkannt. Ein genauer Blick bedarf dabei nicht des Auges.
    Bauchgefühl ist reiner Selbstschutz und der funktioniert bestens.
    Leider führt der Weg mit ihm nicht wirklich weiter.

  2. Liebe Leni, ich finde diesen Beitrag wunderschön! Ich behaupte mal, dass du jedem Menschen, der sich nicht für den einfachen Weg entschieden hat, aus der Seele sprichst! Bei mir hast du jedenfalls genau das zu hundert Prozent erreicht!
    Keep up the good work und lass dich nicht beirren – es ist immer einfacher etwas zu kritisieren, als etwas Eigenes zu erschaffen.
    Liebe Grüsse Sandra

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