Nachhaltigkeit: Wer A sagt, muss nicht B sagen!

„Was bringt es, wenn du auf Plastik verzichtest, aber ständig mit dem Auto fährst? Erdöl, you know .. ?“
„Du ernährst dich vegetarisch? Müsstest du dann nicht eigentlich auch auf tierversuchsfreie Kosmetik achten?“
„Ja klar, einen auf Gutmensch machen hier mit Second-Hand-Klamotten und so, aber ständig bei den großen Fast-Food-Ketten essen! Da bist du dann auch nicht besser!“

Das sind keine Sätze, die ich mir selbst anhören muss – die ich aber so oder so ähnlich ständig in sozialen Netzwerken oder auf Blogs lese.

Nachhaltigkeit in jedem Lebensbereich?!

Sagt jemand von sich selbst, dass er sich für Nachhaltigkeit interessiert oder für die Umwelt einsetzt, dann löst er in seinem Gegenüber anscheinend den Gedanken aus, es definitiv mit einem Übermenschen zu tun haben zu müssen, der den Anspruch auf nachhaltiges Handeln durch jeden seiner Lebensbereiche zieht.

Tut derjenige dann etwas, was so ganz und gar nicht nachhaltig ist, ist die Empörung groß. „Wie, ich dachte, du wärst doch so nachhaltig?!“ hört man dann vielleicht.

Fakt ist aber: Es gibt nicht den perfekten Menschen. In keinem Bereich. Auch nicht, was nachhaltiges Verhalten angeht! Und das ist auch voll okay so!

baumstamm

Es sind nunmal nicht alle Menschen gleich!

Ja, oft ist es so, dass man automatisch die Bereiche nach und nach erweitert, in denen man sein Handeln hinterfragt und durch eine Alternative ersetzt, sobald man sich erst einmal mit dem Thema beschäftigt. Was mit vegetarischer Ernährung anfängt, zieht seine Kreise zu versuchsfreier Kosmetik, führt anschließend vielleicht zu weniger Plastikverbrauch um auch Meerestiere zu schützen und endet dann eventuell beim Umstieg auf Kleidung aus Naturfasern, um auch dort weniger Tierleid und Erdölverbrauch zu verursachen.

Aber das muss nicht die Regel sein.

Vielen Menschen genügt es, für sich selbst EINEN Punkt umzusetzen: Fast-Food-Ketten meiden, eine bestimmte Marke boykottieren, das Fahrrad anstelle des Autos benutzen. Und das ist immer noch besser, als gar nichts zu tun, auch, wenn man gleichzeitig vielleicht zu häufig bei H&M einkauft.

Alles oder nichts? Pustekuchen!

Der Anspruch, entweder alles oder gar nichts zu tun, ist hirnrissig, denn im Endeffekt könnte man immer noch mehr machen – und außerdem kommt er erfahrungsgemäßig von gerade jenen Personen, dich sich eher für „nichts tun“ entschieden haben. Und die kritisiert man meist gar nicht, für nichts. Logik?

Natur, Pflanzen

Es gibt Bereiche, bei denen man sich vielleicht vollkommen bewusst darüber ist, nicht nachhaltig zu handeln – aber man ist trotzdem nicht gewillt, es zu ändern. Das liegt vielleicht an Bequemlichkeit oder daran, sich durch Alternativen in seiner Lebensqualität eingeschränkt zu fühlen. Und das sollte man akzeptieren, gerade auch, weil sich mit Sicherheit bei JEDEM ein Punkt findet, der nicht unbedingt vorbildlich ist.

Ja, manchmal erwische ich mich auch bei dem Gedanken, dass ein bestimmtes Verhalten umzusetzen doch jetzt echt nicht soo schwer ist – aber da stecke ich nicht drin. Für mich ist es vielleicht nicht schwer, für den anderen dagegen schon. Dafür fällt es ihm vielleicht an anderer Stelle leichter als mir!

Fazit

Anstatt uns also an dem Verhalten anderer zu stören, sollten wir doch einfach bei uns selbst anfangen und uns fragen, ob wir denn perfekt sind. Sind wir nicht? Dann sollten wir es auch nicht von anderen erwarten.

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11 thoughts on “Nachhaltigkeit: Wer A sagt, muss nicht B sagen!

  1. Hallo, Leni!

    Sehr schöner Artikel! Das gilt übrigens nicht nur für die Kritik anderer, sondern auch für Selbstkritik. Jedenfalls kenne ich das von mir und meinem Perfektionismus, dass ich mich total ärgere, wenn ich in einigen Bereichen noch nicht so konsequent bin. Aber Umdenken ist schließlich ein Prozess. Und ja, wir sind alle „nur“ Menschen.

    Liebe Grüße
    Yvonne

  2. Ein guter Post! Teilweise sehe ich es ein bisschen anders. Was ich ebenfalls heuchlerisch finde, ist wenn Leute, die gar nichts tun, andere übermässig kritisieren und deren Fehler zum Anlass nehmen, selber nichts zu ändern.
    Auch ist Nachhaltigkeit ein Prozess und jeder fängt klein an. Ich zum Beispiel bemühe mich auch, aber vieles fällt mir schwerer und braucht seine Zeit. Dafür sollte man Verständnis haben, da stimme ich dir zu. Allerdings sehe ich auch die Gefahr, alles zu relativieren und sich seinen eigenen ökologischen Fussabdruck schönzureden mit der „Ausrede“, dass man ja viel mehr tut als 90% der Menschen in Deutschland. Dazu neige ich manchmal und brauche schon einen „Arschtritt“ in Form von anderen Leuten, die mehr machen (wie zum Beispiel du, wenn du Zahnpasta selber machst, was Verpackung spart). Einfach um nicht stillzustehen, sondern nachhaltiger zu werden. Und genauso finde ich da auch einen verbalen Pickser manchmal hilfreich. Es zählt zwar jeder kleine Schritt, und den darf man auch feiern, aber gleichzeitig nicht vergessen, dass man eben nicht am Ziel ist.

  3. Ich sehe es wie du, dass man nicht zwingend alles machen muss. Ich denke viel eher, wenn jeder (!) nur eine Kleinigkeit verändern würde, würde es der Welt schon viel besser gehen und was man persönlich ändert, bleibt jedem selbst überlassen, schließlich soll man sich wohlfühlen – nur dann zieht man es auch durch 😉
    Ich persönlich bin grösstenteils auf Naturkosmetik umgestiegen, kann aber bei gewissen Nagellack-Marken nicht nein sagen. Ich ernähre mich zu 99% vegetarisch und habe einmal im Monat Lust auf eine Currywurst… Keiner ist zu 100% perfekt – wäre ja schließlich auch langweilig 😉

  4. Hallo Leni!

    Da kann ich nur unterschreiben! Jeder Mensch hat auch andere Prioritäten und ich sage sowieso immer „klein anfangen“ und „sich nicht selbst überfordern“ sonst hat sowieso alles keinen Sinn, weil man sonst viel zu schnell wieder aufgibt.

    Manches ist ein Übergang, manches bleibt aber auch dauerhaft so. Dann ist es auch gut so.

    Ich habe mein Auto auch noch nicht verkauft.

    lg
    Maria

  5. Ich finde dieses „schlechtreden“ auch ganz schlimm. Dieses „Wenn du so toll bist, warum machst du nicht auch noch dies oder jenes?“…. Als würde man sich dadurch selbst aufwerten, indem man vermeintliche Fehler bei anderen sucht.

  6. Haha, ich muss mich gerade seeehr an meine eigene Nase fassen! Ich kritisiere die Veganer an die ich denke nicht direkt, aber genau diese Gedanken habe ich oft (was – aber!, hier muss ich mich selbst in Schutz nehmen – meist daran liegt dass viele die das in meinem Umfeld betrifft sehr dogmatisch unterwegs sind und oft den Eindruck vermitteln dass ihr Weg der einzig richtige ist und andere gerne mal mit verachtendem Staunen abstrafen). Merci für einen neuen Blickwinkel Leni!

  7. Hey,
    ich finde an deinen Gedanken ist viel wahres dran. Es ist auch schwer und einfach Quatsch radikal sein Leben zu ändern. Ich finde es gut, wenn man Schritt für Schritt versucht etwas bewusst mit sich und seiner Umwelt umzugehen.
    Wobei mir niemand was von Nachhaltigkeit erzählen kann, der die 50 Meter zum Biobäcker mit dem Auto zurücklegt.

    Beste Grüße,
    Jana

    https://worteplustaten.wordpress.com

  8. Genauso etwas kann ich mir auch immer wieder anhören – du kaufst nur mehr faire Mode, aber deine H&M-Sachen vom letzten Jahr trägst du noch? Nein, natürlich nicht, ich werfe alles weg und kaufe mir eine komplett neue Garderobe in fair. Soviel Geld habe ich nämlich als Studentin und sehr nachhaltig ist es auch. Diese „Ganz-oder-Gar-nicht“ Mentalität die viele an den Tag legen, regt mich schon ziemlich auf.. Vor allem wenn es Leute sind, die wöchentlich zu Primark shoppen gehen 😉

  9. Toller Artikel!
    Im Prinzip sehe ich das genauso wie du. Wenn jeder im Kleinen anfängt ist wahrscheinlich schon mehr getan als wenn da jeder mit einer ganz-oder-gar-nicht-Einstellung herangeht und sich dann für „gar nicht“ entscheidet, weil „ganz“ ja eine viel zu unbequeme und krasse Umstellung wäre.

    Wir beschäftigen uns im Studium gerade extrem viel mit dem Thema Nachhaltigkeit und da wurde letzt u.a. der sehr interessante Punkt aufgegriffen, dass manche Menschen auch versuchen ihr schlechtes Gewissen zu kompensieren. Zum Beispiel, dass sich ein Vielflieger ein E-Auto kauft und damit nach außen hin natürlich eine gewisse Nachhaltigkeit darstellt, die er bezogen auf seinen ganzen Lifestyle aber ja überhaupt nicht lebt.
    Oder auch der Vergleich von uralter Spritschleuder und neuem Kleinwagen mit entsprechend geringem Verbrauch. Wenn die Spritschleuder nur einmal im Monat zur Sonntagsausfahrt aus der Garage geholt wird, hat dieser Mensch immernoch eine bessere Bilanz als jemand der täglich 200km mit seinem Kleinwagen zurücklegt.
    In gewisser Weise zielt das wieder auf ganz-oder-gar-nicht, aber zum Teil sind so Brocken von „Nachhaltigkeit“ vielleicht auch mehr Selbstdarstellung als Überzeugung, aber für mich persönlich trotzdem noch akzeptabel, solange man sein E-Auto nicht zum Anlass nimmt, in anderen Bereichen vorsätzlich weniger nachhaltig zu handeln, sodass es sich quasi ausgleicht.

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