Gedanken: Sweet Sixteen, mein Konsumopfer-Ich

Habt ihr euch das schon einmal gefragt? Ob eure Art und Weise zu leben, jetzt, so als Erwachsener, mit der übereinstimmt, wie ihr sie euch früher vorgestellt habt? Sagen wir, vor zehn Jahren?

Ich kann diese Frage mit einem sehr lauten NEIN beantworten – und bin darüber kein bisschen traurig. Denn vor zehn Jahren, mit süßen sechzehn, hatte ich komplett andere Werte als heute mit sechsundzwanzig.

Spulen wir mal ein bisschen zurück.

Zur Einstimmung bekommt ihr auch gleich ein Foto, damit ihr euch so richtig schön hineinversetzen könnt.

Sweet sixteen, Konsumopfer

Lena, das Konsumopfer

Mit sechzehn, da habe ich eindeutig zu viel GossipGirl gelesen und mich extrem davon beeinflussen lassen. Was damals für mich zählte, das war vor allen Dingen Geld – welches ich nicht hatte und daher schob ich alle Unzufriedenheiten auf diesen Faktor. Damals dachte ich, wenn ich nur viel Geld hätte und mir Designerkram und diversen Luxus leisten könnte, dann wäre ich glücklich. Ich schrieb Listen in mein Tagebuch, was ich mir kaufen würde, wenn ich so richtig Kohle hätte und diese Listen beinhalteten alles von D wie Dior bis Y wie Yves Saint Laurent. Ich wollte teure Taschen und Schmuck und am liebsten jeden Tag shoppen gehen. Ich fand es geil, ein Konsumopfer zu sein.

Wäre ich also heute so, wie ich mir das früher vorgestellt hätte, dann müsste ich jetzt wohl einen ziemlich fancy Job haben und eine Karrierefrau sein. Meine um fünfzehn Zentimeter gestreckten Beine (ey, das hatte ich echt vor!) würden in den teuersten High Heels stecken und wahrscheinlich wäre mir ein eigenes, dickes Auto noch zu wenig – wofür gibt es schließlich Chauffeure?

Secondhand statt Gucci, Ghetto statt Villa

Hätte man mir damals erzählt, dass ich heute fast ausschließlich Second Hand Kleidung tragen, im letzten Ghetto wohnen und einen alten, rasselnden Micra fahren würde – dann hätte ich meinen arrogantesten Blick aufgesetzt und zwischen aufeinandergepressten Zähnen ein „never!“ herausgelassen. Piercings und ein Tattoo? Wie asozial! Bitte? Mein Zukunfts-Ich entscheidet sich freiwillig gegen viel Besitz?

Hätte man mir dann noch erzählt, dass mir Geld verdammt unwichtig ist, solange ich nur halbwegs über die Runden komme, dass mich Mikroplastik in Meeren mehr interessiert als eine tägliche Haarspülung und ich Jobangebote und somit Geld aufgrund meiner Werte ablehne – dann hätte ich mich wohl auf der Stelle umgedreht weil ich geglaubt hätte, mein Gegenüber wäre übergeschnappt und meiner Gegenwart nicht würdig. Vielleicht hätte ich ihm noch ins Gesicht gespuckt bei der Prognose, dass ich es jemals zulassen würde, über fünfzig Kilo zu wiegen.

Früher haben Äußerlichkeiten gezählt – heute beschäftige ich mich abgesehen von meiner neuen Nagellacksucht (die wohl nur entstanden ist, weil ich mit frischgemachten Nägeln das Gefühl habe, mein Leben unter Kontrolle zu haben) sehr viel eher mit meinem Inneren.

Bin ich also so geworden, wie ich das früher erwartet hatte?

Nein. Gott sei Dank nicht. Aber wie meine Mama so schön sagt: Vielleicht muss man halt mal so eine Tussi-Phase gehabt haben. Ich war wohl trotzdem ein Extrem-Beispiel dafür.

PS: Übrigens konnte ich damals auch noch nichts mit Katzen anfangen. Wie irre war ich bitte??

| Filed under Persönliches | Tags: ,

11 thoughts on “Gedanken: Sweet Sixteen, mein Konsumopfer-Ich

  1. Hahaha 😀 Sehr cooler Artikel! Das hätte ich mir irgendwie gar nicht vorstellen können bei dir, aber wie schön, dass du dich weiterentwickelt hast. Ich glaube, jeder muss mal Phasen durchleben, bei denen man später über sich selbst nur den Kopf schütteln kann…

    Deine Frage vom Anfang find ich für mich sehr schwer. Vor zehn Jahren war ich 12 und kann mich nicht groß erinnern, was ich damals für Lebenspläne hatte. Einfacher geht das mit „vor fünf Jahren“: Jein. Ja, ich hatte damals vor, zu studieren, im Ausland zu leben… Aber nein, ich hätte mir mein zukünftiges Ich mit 17 irgendwie freier, unkonventioneller, krasser und mit stärkeren Überzeugungen vorgestellt. Damals hatte ich ja auch vor, mir direkt nach der Volljährigkeit ein Nasen- und ein Lippenpiercing stechen zu lassen, damals war ich auf jeder Demo anzutreffen und hab meine gesamte Freizeit für die Organisation von Podiumsdiskussionen und Flashmobs oder das Bemalen von Transparenten für die nächste Demo genutzt 😉 Also vielleicht ein bisschen anders herum wie bei dir 😀 Heute esse ich ja sogar wieder Fleisch, oh mein Gott, das hätte ich mir damals wahrscheinlich nie vorstellen können. Aber ich bin trotzdem ganz glücklich 😉

    1. Haha, ja mir ist auch aufgefallen, dass ich das nie so auf dem Blog thematisiert habe 😀
      Interessant, dass es bei dir in gewissem Maß andersrum ist.. weißt du, warum? Stört es dich? 🙂

  2. Ich glaube fast, es ist normal in dem Alter so zu sein. Damals zählte nur, maximal viele Klamotten zum billigsten Sale-Preis für das bisschen Taschengeld zu bekommen. Ich hatte sogar recht viel Taschengeld und war trotzdem immer neidisch auf die Arzttöchter in meinem Jahrgang, die Longchamp Taschen als Turnbeutel (!) hatten und wöchentlich ein neues Paar Sneaker durch die Gegend trugen.
    Inzwischen bin ich dazu übergegangen, mehrmals im Jahr radikal auszumisten und nur noch praktische und lange tragbare Basics zu kaufen. Wenig Teile, wenig Farbe, alles gut kombinierbar. Nur bei Schuhen setzt mein Verstand aus.

  3. Was, du mochtest keine Katzen?? Das ist heute ja unvorstellbar!

    Aber mal ernst: es ist richtig spannend zu lesen, wie du dich verändert hast. Und faszinierend, dass du das so reflektiert betrachten und analysieren kannst. Wenn ich so drüber nachdenke, dann fallen mir keine großen Veränderungen von vor 10 Jahren auf. Ich mag immernoch dasselbe Zeug, mache in meiner Freizeit immernoch dasselbe und wenn ich mir Fotos anschaue, sehe ich auch nicht groß anders aus. Omg, das stimmt mich fast schon traurig, haha!

    1. Haha ja, analysieren kann ich mich aber immer nur, was vergangene Zeiten betrifft 😀
      Dass du dich nicht verändert hast, finde ich auf der anderen Seite aber auch bewundernswert – das zeigt doch, dass du ein „stabiler“ Charakter bist und schon immer dein eigenes Ding gemacht hast ohne dich groß beeinflussen zu lassen 🙂

  4. Ein sehr gelungener Post, mal was ganz anderes! :))
    Vor 10 Jahren war ich 12 und damit in der 5. oder 6. Klasse …
    ich kann mich kaum noch an bestimmte Charaktereigenschaften erinnern,
    wenn ich allerdings überlege, wie ich so mit 16 war, dann bin ich
    auch über so gut wie jede Veränderung an mir froh! 😀

  5. Was für ein sehr interessanter Artikel. Darüber habe ich mir – ehrlich gesagt – noch nie Gedanken gemacht. Tatsächlich war ich damals auch kein extremes Mädchen und heute? Heute mache ich mir schon mehr Gedanken. Ich glaube, ich vertiefe das mal und überlege mal, vielleicht fällt mir doch etwas ein. 😀
    Liebe Grüße,
    Wiwi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.