Minimalismus: Wohin mit dem aussortierten Kram?

Ausmisten schön und gut. Nur wohin eigentlich mit dem ganzen Gedöns?
Ich kann dazu schon mal sagen: es gibt immer irgendeinen Abnehmer. Egal für was. Man braucht nur meist etwas Geduld und darf auch den ein oder anderen Aufwand nicht scheuen. Ich persönlich habe da wahrscheinlich gut reden, denn alles (außer Kleidung), was ich jemals ausgemistet und noch nicht losgeworden bin, lagere ich bei meinen Eltern unter – zu dem Leidwesen meiner Mutter. Ich kann gut verstehen, wenn jemand, der diese Möglichkeit nicht hat, nicht die Geduld aufbringt, ewig auf Gerümpel sitzen zu bleiben und demnach schnell zur Methode „wegwerfen“ tendiert. Aber dadurch, dass ich die Möglichkeit habe, ist wegwerfen bei mir die letzte Möglichkeit. Denn wie gesagt: einen Abnehmer gibt es immer.

Das traurige am Ausmisten ist ja, dass der ganze Besitz mal Geld gekostet hat. Von daher wär es natürlich suuuper, wenn man noch ein bisschen dafür bekommen könnte. Die Betonung liegt auf „ein bisschen“, denn reich wird man durch seinen Plunder sicher nicht.

Verkaufen

Bevor ihr euch einen Stand auf dem Flohmarkt mietet, würde ich euch empfehlen, es erst übers Internet zu versuchen. Meine Erfahrung sagt nämlich, dass der Verkaufs über Plattformen wie Kleiderkreisel oder Ebay Kleinanzeigen deutlich lukrativer ist, gerade was einst teurere Produkte angeht. Ich persönlich verkaufe bei Kleiderkreisel hauptsächlich – wer hätte es gedacht – Kleidung, aber ich habe auch schon Bücher, Kosmetik, Zeitschriften, DVD’s und ähnliches übers Forum dort verkauft. Meine Eltern verkaufen häufig eher große Gegenstände bei Ebay Kleinanzeigen, wie kleinere und größere Möbelstücke oder andere sperrige Teile, die schlecht per Post verschickt werden können. Inzwischen gibt es ja wirklich unendlich viele Plattformen im Internet. Spontan fallen mir beispielsweise Booklooker, Rebuy und Momox ein. Damit habe ich noch keine Erfahrung gemacht und ich habe auch gehört, dass es nicht so rentabel sein soll – aber wie gesagt, reich wird man von dem Verkauf von Gebrauchtgegenständen eh nicht und eigentlich glaube ich auch, dass das quasi „die Moral von der Geschicht“ ist: je mehr das Herz blutet, weil einst teuer gekauftes gerad mal für einen Bruchteil weiterverkauft werden kann, desto besser denkt man wahrscheinlich über zukünftige Neuanschaffungen nach. Was ich auch noch super finde, sind diese Flohmarktgruppen bei Facebook – da gibt es sogar für meine Winz-Kleinstadt etliche!

Auf den Flohmarkt würde ich nur mit „Kleinkram“ hingehen, wo das Herz nicht dran hing und der auch nicht unbedingt teuer war. Man kann einfach nicht abstreiten, dass sich auf dem Trödel hauptsächlich Leute tummeln, die am liebsten gar nichts ausgeben würden. Die Erfahrung habe ich beim letzten Mal schmerzlich machen müssen. Nur die wenigsten Menschen denken darüber nach, dass die Sachen den Vorbesitzer auch mal Geld gekostet haben und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich beispielsweise meine 40 Psychologie-Heute-Ausgaben alle zusammen für 20 Euro an einen sehr netten Herrn abgeben konnte, bei dem ich mir sicher war, dass er sie zu schätzen wissen würde.

Das hört sich jetzt irgendwie negativ an. Dabei darf man auch den Verkauf von Kleinkram nicht unterschätzen – ich habe tatsächlich circa 150 Euro eingenommen und hatte Standgebühren von 27.

Verschenken und Spenden

Bei meinem letzten Entrümplungsmarathon habe ich Sachen ausgemistet, von denen ich mir sehr sicher war, dass sie niemand mehr kaufen würde, weshalb ich sie von Anfang an eher in die Kategorie „verschenken“ eingeteilt habe. So habe ich beispielsweise sämtliche Stifte, Radiergummis und ähnliches an meine Neffen weitergegeben und habe auch noch vor, etliche Lippenstifte unter Freundinnen aufzuteilen.

Dann gibt es natürlich noch Dinge, die man gut spenden kann, entweder an extra dafür bestehende Einrichtungen (Oxfam, Robin Hood, o.ä. das variiert ja von Stadt zu Stadt), oder aber auch an Einrichtungen, an die man erstmal nicht denkt: Tierheime können immer alte Decken oder Laken gebrauchen, Kindergärten freuen sich über Spielsachen, Grundschulen über Schreibutensilien.

Immer noch Sachen übrig? Vor dem Wegwerfen fällt mir da spontan noch die „Zu-verschenken-Kiste“ ein, die man an den Straßenrand, Bushaltestellen o.ä. stellt. Ich persönlich fänd es dann aber ganz gut, wenn man ein paar Tage später nochmal nachschaut und die Reste dann im Notfall selbst entsorgt, bevor sie in der Gegend rumliegen. Ach, und für Bücher gibt es in manchen Städten auch extra Schränke oder umfunktionierte Telefonzellen!

Das waren nun alles keine weltbewegenden und innovativen Tipps – aber vielleicht war ja trotzdem die ein oder andere Möglichkeit dabei, über die ihr euch noch keine Gedanken gemacht hattet!
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29 thoughts on “Minimalismus: Wohin mit dem aussortierten Kram?

  1. Ich versuche meine ausgemisteten Teile auch erstmal auf andere Weise los zu bekommen. Eben durch Kleiderkreisel oder ich stell mich einmal jährlich auf den Flohmarkt. Außerdem habe ich ja auf meinem Blog die Aktion "Shop around the Blog" in das Leben gerufen. An jedem 3. eines Monats stellt man bis zu 5 Artikel auf seinem Blog online zum Verkauf. Hieran können sich alle Blogger beteiligen und auf meinem Blog gibt es dann eine Linksammlung aller Blogs die an der Aktion teilnehmen. So kann man sich als Leser durch die Blogs klicken und vielleicht gefällt einem ja das ein oder andere. Die Aktion hat für mich auch einiges gebracht, denn so verabschiede ich mich monatlich von ungefähr 5 Artikel die ich schon länger nicht mehr nutze.

  2. Mit dem Flohmarkt kann ich dir nur Recht geben. Mir hat das Herz definitiv geblutet und ich war hin und her gerissen zwischen Trauer und Wut 🙁

    Hier in Münster gibt es eine riesige Facebook-Gruppe, in der Sachen unterschiedlichster Art verschenkt werden – einmal eine Gruppe für verschiedenes, daneben noch eine zum Thema "Foodsharing", wo man entrümpelte Essensachen abgeben kann, statt sie wegwerfen zu müssen! Auch eine schöne Sache, gibt es sicherlich auch für andere Städte.

  3. Beim Spenden habe ich leider schon die Erfahrung gemacht, dass die Einrichtungen danke sagen und es dann aber wegwerfen, weil sie Spenden von z. B. größeren Firmen bekommen. Also schmeißen sie die gebrauchten Sachen weg und bekommen von Firmen die Sachen in neu.

    1. Ja, das schon. Die sagen dann "danke" und werfen es dann weg. :-/
      Bei Ikea stehen ja auch solche Kisten, in die man Stofftiere für bedürftige Kinder werfen kann. Da steht auch dran, man soll nur neue reinwerfen mit Etikett noch dran. Alle anderen werden sie wegwerfen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich vermute eigentlich, dass man auch gebrauchte Kuscheltiere keimfrei kriegt. Generell finde ich es bei solchen Aktionen etwas schade, dass viele Leute noch Sachen daheim haben, die gebraucht werden (Stofftiere, Stifte, Bastelsachen), aber die Leute bei solchen Ständen aufgefordert werden, nur neue Sachen zu kaufen und zu spenden. Aber klar, es ist sicher mehr Arbeit, die Dinge zu reinigen und aufzuarbeiten, als sie einfach nur aus der Verpackung zu reißen. 🙂

  4. Momox finde ich recht hilfreich, wenn man schnell Platz schaffen möchte. Viel bekommt man nicht zusammen, das stimmt – soweit ich das überblicke, errechnet sich der Preis nach der Nachfrage. Wenn also Bücher super beliebt sind und vielfach angeboten werden, gibt es wenig. >1€ / Buch ist bei Belletristik normal. Fachbücher werfen etwas mehr ab, ebenso manche DVDs. Für so ein Paket lohnt es sich also, geschickt zu kombinieren. 😉
    Insgesamt – meine Erfahrungen sind gut, alles hat gut geklappt (habe ich auch hier schon mal beschrieben http://justmycupof.wordpress.com/2014/08/16/going-minimalist-bewusst-konsumieren-4-im-bucherregal/). Klar ist aber auch, dass man lediglich ein Taschengeld bekommt. Der Gewinn liegt im gewonnenen Platz im Regal!

    1. Es gibt Webseiten, die für einen vergleichen, wo man das meiste Geld bekommt. Bei DVDs war Momox bei mir ganz unten. Da war eine mir unbekannte Seite, die gab mehr Geld. Vergleichen lohnt sich da durchaus. 🙂

  5. Mir gefällt diese Reihe sehr sehr gut ! Es gibt viel zu wenige Blogs, die sich über Nachhaltigkeit und unsere 'Weg-Werf-Gesellschaft' Gedanken machen 🙁 Toller Beitrag !

    Liebst,
    Aileen <3

  6. Ein toller Beitrag, mal einen Schritt weiter gedacht. Die meisten gehen einfach nur so weit das sie darüber schreiben wie gut ausmisten ist. Und dann? Meine Ma und ich machen seit Jahren einmal im Jahr einen blauen Sack voll mit Klamotten & den spenden dir dann dem DRK oder so 🙂
    Liebst,
    Farina

  7. Schöner Artikel, ich mag diese Serie sehr gern! Diesen Sommer hab ich durch doppelten Umzug und halbes Auswandern mich von ganz ganz viel trennen müssen.. Und das fiel mir schwer, ein Grund mehr, meine Haltung zu "Besitz" zu überdenken.
    Mit Momox hab ich wirklich gute Erfahrungen gemacht, Bücher, CDs und DVDs habe ich in großen mengen verkauft, die Pakete werden zu Hause abgeholt und insgesamt hab ich so schon um die 180€ eingenommen.. Auch wenns weh tut, dass die CD die einen durch die Jugend begleitet hat für nur 20Cent zu verkaufen. Jedenfalls muss ich jetzt zugeben, dass ich mich wahnsinnig befreit fühle, genau zu wissen was ich besitze und in welchen Mengen. Da ich leider echt oft umziehe, hab ich vor den Umzügen manchmal so "Verschenkparties" gemacht wo ich Freunden Dinge angeboten hab an einem Tag. Wenn sie die Sachen nicht wollten, hab ich sie weggeschmissen.. Klar ist das schade, aber unter Zeitdruck ist das passende Abnehmer finden schon echt ein Problem.
    Als weiterer Tipp fallen mir noch die "Free your Stuff"-Gruppen auf facebook ein – die gibts für viele Städte, und was da einmal drin ist, kommt echt schnell weg 🙂

  8. Interessanter Beitrag! Zu Booklooker kann ich noch sagen, dass es wirklich empfehlenswert ist und auch durchaus lukrativ sein kann..! Kommt eben drauf an, was man hat. Zerflissene Taschenbücher bringen eben nicht mehr als 50 Cent. Ich hab immer einige billige Sachen drin, um an gute Bewertungen zu kommen, und zwischendrin kann man dann immer mal teure Sachen verkaufen… hab damals für mein altes Mathebuch (32€) immerhin noch 22€ bekommen oder 20€ für dusselige Nintendospiele! Man braucht nur Geduld 🙂 Schul- und Unibücher gehen immer sehr gut, wenn sie gut erhalten sind!

  9. Ich habe vor dem Umzug eine "Zu verschenken"-Kiste gepackt. Da zwei Straßen weiter gerade Riesenflohmarkt war, war die Kiste nach zehn Minuten weg und wurde vermutlich irgendwo verschachtert. Aber hauptsache, ich war den Kram los. 😉 Ansonsten nutze ich auch gerne Ebay-Kleinanzeigen. Aber im Endeffekt ist das total stressig. Erst muss man die Bilder einstellen und dann muss man sich mit manchen Leuten zig mal hin und her mailen, bis die Sachen endlich abgeholt werden. Das nervt.

  10. Danke für diesen Post! Das ist wirklich immer so eine Frage – wohin mit dem aussortierten Kram? Bei Kleidung ist manchmal auch "an Freundinnen verschenken" gut. Ein Kleid habe ich einfach nicht getragen, weil es mir nicht stand. Eine Freundin von mir erzählte mir neulich von einem Kleid, wie sie es diesen Sommer gerne hätte – schwupps, gehörte es ihr. Zum wegwerfen war es mir zu schade, doch für sie – gerne 😉

  11. Meist ist es doch mit sehr viel Zeitaufwand verbunden, um alte Dinge loszuwerden. Aber wenn man sich einmal überlegt, was das ganze gekostet hat, dann nimmt man sich schon die Zeit dafür. Aber Spenden sollte immer eine Alternative bleiben, die genutzt werden sollte.

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