Hintergrundwissen Bekleidung: Fasern

Wie ihr wisst, habe ich mir vor kurzem vorgenommen, dem Thema Bekleidungstechnik mehr Raum auf meinem Blog zu geben und die Kategorie „Hintergrundwissen Bekleidung“ eingeführt. Dazu zählt zum Beispiel die Reihe „Näh-Dötzchen“, aber das soll es noch nicht gewesen sein. In den nächsten Monaten würde ich euch gern ein bisschen über die verschiedenen textilen Faserstoffe oder Rohstoffe erzählen – also, woraus unsere Kleidung überhaupt so besteht – und heute gibt es ganz allgemein etwas zu diesem Thema, damit ihr in Zukunft wisst, wovon ich überhaupt spreche.

Das meiste werdet ihr wahrscheinlich schon grob wissen oder mal gehört haben und ich hoffe, dass der heutige Post nicht zu theoretisch daherkommt. Ich schneide alle Themen bewusst nur eher oberflächlich an – eigentlich könnte ich euch wahrscheinlich noch vieeeel mehr erzählen, aber ich versuche, mich nur auf die Dinge zu beschränken, die euch interessieren und in Alltagsentscheidungen weiterhelfen könnten. Los gehts!

Textile Fasern kann man grob unterteilen in Naturfasern und Chemiefasern. Das wäre allerdings nur eine wirklich sehr grobe Unterteilung. Detailliert sieht das ganze dann ungefähr so aus, wobei ich nur die Fasern berücksichtigt habe, die man als Otto Normalbürger so kennt oder kennen könnte.

 

 Jeder Faserstoff hat bestimmte Eigenschaften, die man beachten muss/sollte, wenn man auf der Suche nach einem passenden Material für ein bestimmtes Kleidungsstück, Accessoire oder sonstigem ist. Darunter gibt es einmal:
Die Begriffe erklären sich ja eigentlich schon von selbst, aber ich sage trotzdem noch ein wenig dazu. Ihr habt sicher auch als Kind öfter gehört, dass nicht wichtig ist, wie dick der Pullover an sich ist, sondern dass mehrere Stofflagen getragen werden, zwischen denen genug Luft gespeichert werden kann. Damit diese Luft aber gespeichert werden kann, braucht das Material des Kleidungsstücks bestimmte Eigenschaften, die dann zusammen unter Wärmeisolation fallen. So speichern zum Beispiel bauschige, voluminöse Textilien mehr Luft als glatte und sind somit viel warmhaltender. Bei der Feuchtigkeitsaufnahme geht es zum Beispiel um Schweiß, Regen und das Trocknen nach der Wäsche. Kann ein Stoff keine Feuchtigkeit aufnehmen und so zum Beispiel Schweiß nicht nach außen transportieren, kommt es zum Wärmestau – unangenehm. Kann er dagegen sehr viel Feuchtigkeit speichern, kann es sein, dass er extrem lange zum trocknen braucht. Zur Hautfreundlichkeit muss ich aber wahrscheinlich niemandem etwas sagen, der schon mal einen Tag in einem kratzigen Pullover verbracht hat..  das wird einfach subjektiv bewertet.

Und dann noch:

(und natürlich noch tausende weitere..)

Zur Festigkeit gehört beispielsweise, wie reißfest die einzelne Faser oder wie scheuer- und strapazierfähig ein Stoff ist. Viele haben ein Problem damit, Dehnbarkeit und Elastizität zu unterscheiden, da sie nah beieinander liegen. Die Dehnbarkeit sagt etwas darüber aus, wie sehr/weit man die Faser dehnen kann (wer hätte es gedacht.. klingt noch logisch!), die Elastizität darüber, ob sich die Faser anschließend wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Wenn ein Stoff also sehr dehnbar, aber nicht elastisch wäre, würde er so bleiben, wie man ihn gezogen hat. Von der Elastizität kann man auch auf das Knitterverhalten schließen: ist eine Faser wenig elastisch, dann knittert sie stärker, zum Beispiel Leinen. Eine elektrostatische Aufladung wird verhindert, wenn die Faser ständig eingespeicherte Feuchtigkeit enthält, die die Ladungen ableiten kann. Verbindung zum letzten Absatz: Kleidung, in der ihr viel schwitzt (beziehungsweise, bei der ihr denkt, viel in ihr zu schwitzen – denn eigentlich wird euer Schweiß ja einfach nur nicht weitergeleitet), wird wahrscheinlich auch öfter mal elektrisch geladen sein, da sie keine Feuchtigkeit speichert. Bei Feinheit, Griff und Glanz wird wie bei der Hautfreundlichkeit eher subjektiv entschieden bzw spielt die Optik dort einfach eine Rolle.

Die Bewertung der meisten Eigenschaften wird übrigens mit so unglaublich aussagekräftigen Adjektiven wie gering, hoch, niedrig oder stark – mit einem gelegentlichen „sehr“ – davor beschrieben. Die Dehnbarkeit und Feuchtigkeitsaufnahme wird von eifrigen auch in Prozent angegeben (im Verhältnis zum/zur Ausgangsgewicht/Ausgangsgröße).

Ein letzter Mini-Punkt: die Textilkennzeichnung. Es gibt international geschützte Kennzeichnungen, die nur genutzt werden dürfen, wenn bestimmte Kriterien gewährleistet werden. So darf zum Beispiel nur die Wolle als Schurwolle bezeichnet werden, die vom lebenden Schaf kommt und noch ungenutzt und unbeschädigt ist. Hier auf dieser Seite könnt ihr noch andere Beispiele finden.

So, ich hoffe, mit diesem Post habe ich euch nicht vollends verstört oder gelangweilt. Die folgenden, in denen die einzelnen verschiedenen Rohstoffe das Thema sind, werden dann etwas peppiger und mit ganz viel Spiel und Spaß gestaltet 😀 Aber ohne einen ausführlicheren Post am Anfang wären die nächsten vielleicht nicht so aufschlussreich!

10 thoughts on “Hintergrundwissen Bekleidung: Fasern

  1. Sehr guter Einstieg! Wirst du später auch auf die unterschiedlichen Umweltbilanzen von (Bio)baumwolle, Hanf, Leinen und Viskose eingehen? Das interessiert mich brennend, da ich diese neben Wolle vermehrt bei Kleidung einkaufe in der Hoffnung, was gutes zu tun.

  2. Da habe ich doch direkt ein leichtes Déjà-vu. Ich habe mal eine Facharbeit über Fasern geschrieben. Ich bin mir aber sicher, dass du das sehr viel anschaulicher und praxisnäher rüberbringen kannst, als ich es konnte^^

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