Hintergrundwissen Bekleidung: Fasern – Baumwolle

Vor einer Weile gab es hier den Einführungspost zum Thema Fasern. Und heute ist die erste Naturfaser an der Reihe: die Baumwolle. Um es nicht ganz so „drüsch“ zu machen, habe ich mir überlegt, das ganze in einer Art Steckbrief-Form zu verfassen. Ist das zu kindisch? Ich finde es eigentlich ganz ulkig 🙂
Kurze Vorstellung:
Mein Nachname ist Malvengewächs. Ich kann 0,25 bis 2 m groß und bis zu 15 Jahre alt werden, man lässt mich meist aber nur ein Jahr leben. Feuchtigkeit und Wärme sind für mich überlebenswichtig. Nur eine einzelne meiner Kapseln kann bis zu 7000 Fasern besitzen!

Meine Geschichte:
Ich bin schon seit fast 6000 Jahren vor Christus ein bunter Hund. In Deutschland spiele ich allerdings erst circa seit dem Jahr 1300 eine wichtige Rolle.

Meine Bedeutung für die Textilindustrie:
Während ich mich um 1900 noch an die Weltherrschaft klammerte und einen weltweiten Anteil von 80% besaß, verlor ich schließlich das Rennen gegen die Chemiefasern. Mein Anteil ging auf circa 35% im Jahre 2003 zurück, wobei sich meine Produktion dennoch verdoppelte. Inzwischen mache ich etwa 40% der Faseranteile in der Textilproduktion aus. Damit gebe ich mich zufrieden. Man wird ja auch älter..

Meine Haupterzeugungsländer:
Meine Heimatländer sind unter anderem China, Indien, USA, Pakistan und Usbekistan. Inzwischen baut man mich auf sämtlichen Kontinenten an!

Einfluss auf meine Qualität:
Handgepflückt ist meine Qualität um Längen besser als maschinengepflückt. Das liegt daran, dass Maschinen auch meine unreifen und überreifen Kapseln ernten und außerdem das gleichzeitige Pflücken von Blättern und Ästen meine penible Sauberkeit beeinträchtigt. Meine hochwertigsten Sorten sind Sea-Island aus den USA, Mako aus Ägypten und Pima aus Peru und den USA.

Meine besten Eigenschaften:
Ich bin eine sehr feine Faser und daher sehr weich im Griff, habe im Verhältnis dazu aber auch eine gute Festigkeit. Je nach Verarbeitung bin ich warmhaltend und auch sehr freundlich zur Haut. Außerdem kann ich an dampfförmiger Feuchtigkeit bis zu 20% aufnehmen, ohne dass ich mich feucht anfühle und sogar 65% Feuchtigkeit meines eigenen Gewichtes ohne, dass ich dabei tropfe! Deshalb lade ich mich auch selten elektrisch auf.

Meine schlechten Eigenschaften:
Ich gebe es nicht gern zu, aber ich bin nur bedingt dehnbar und auch kaum elastisch – deshalb knittere ich ziemlich und muss zumindest von anspruchsvollen Menschen gebügelt werden. Außerdem trockne ich nur langsam. Viel schlimmer ist jedoch, dass aufgrund meiner langen Wachstumszeit im konventionellen Anbau kaum Zeit für einen Fruchtwechsel bleibt. Die Bodenqualität wird deshalb sehr schlecht und ich bin auf massig Pestizide angewiesen. Ich brauche außerdem extrem viel Wasser – durchschnittlich 11.000 Liter auf ein Kilo. Werde ich biologisch angebaut, sieht das aber schon besser aus. (Mehr Informationen)

Meine bekanntesten Vertreter:
Ich finde häufig Verwendung für Cord, Denim, Samt, Nessel und Frottier.

Mein internationales Zeichen:
darf nur genutzt werden, wenn neben mir keine anderen Fasern verwendet wurden. Man erkennt es an der weißen, aufgesprungenen Kapsel auf schwarzem Hintergrund. (Klick)


Als Quellen dienten mein Kopf, das Buch „Fachwissen Bekleidung“, dieser Wikipedia-Eintrag und diese PDF-Datei von inkota.de

4 thoughts on “Hintergrundwissen Bekleidung: Fasern – Baumwolle

  1. Ich finde das nicht kindisch! Ich würde mir z.Bsp. nie den Wikipedia Text zu Baumwolle durchlesen, das ist mir einfach zu trocken. Aber in dieser Form macht es echt Spaß das zu lesen 🙂

    LG
    Ela

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