Neue Kategorie: „Hintergrundwissen Bekleidung“

Es gibt Menschen, die haben bestimmte Fähigkeiten oder Stärken, aber sie trauen sich nicht, diese zur Schau stellen, weil sie denken, ihr Wissen und Können wäre nicht gut genug, um sie der Menschheit näher zu bringen.
Und dann gibt es Menschen, die für die gleiche Tätigkeit eher wenig Talent und Können mitbringen, und die trauen sich trotzdem, es zu verbreiten, einfach, weil es ihnen Spaß macht und es ihnen wahrscheinlich nicht wichtig ist, dass das Resultat perfekt ist. Das finde ich einerseits gut und bewundernswert. Aber andererseits…

(An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich ein bisschen Angst habe, mit diesem Post anzuecken. Dabei meine ich es gar nicht böse, ehrlich.)

Die Sache ist die, dass ich mir vor kurzem eine Nähanleitung auf einem Blog angeschaut habe, bei der mir ein bisschen das Herz blutete. Die Vorgehensweise war fragwürdig, Techniken wurden falsch angewandt, die Fachbegriffe stimmten nicht mit der tatsächlichen Praxis überein und zu guter Letzt war alles noch ein bisschen krumm und schief.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es eigentlich echt super, wenn man Dinge einfach ausprobiert um sie zu lernen und das Endergebnis sah von außen auch gar nicht schlecht aus. Aber wenn man nicht dabei bleibt, eine Sache für sich selbst zu tun, sondern sie anderen beibringen möchte..  ich denke, dann sollte man schon ein kleines bisschen Ahnung haben von dem, was man da tut. Ob selbst beigebracht oder institutionell erlernt spielt dabei ja gar keine Rolle.

Ich will auch mit keinem, wirklich mit keinem einzigen Wort sagen, dass ich perfekt wäre – ich mache selbst genug Fehler und bin ja auch selbst noch in der Ausbildung. Aber mir ging es so, wie es wahrscheinlich einem gelernten Koch geht, wenn jemand zu den besten Zutaten Fertigketchup haut, oder einem Frisör, der einen mit der Bastelschere abgeknabberten Pony in die Hände bekommt. In mir zog es sich einfach zusammen.

Und dann frage ich mich halt: wie kommt es, dass jemand sich „traut“, so etwas zu veröffentlichen – und ich mir im Gegensatz dazu denke: mh nee, lässte mal lieber, mit so Anleitungen. Nachher ist was verkehrt und die Leser prägen sich dann was falsch ein oder versauen sich wegen mir ihren teuren Stoff, oder, oder, oder. Es gibt so viele Gründe, es nicht zu tun. Aber dieser eine Blogpost hat in mir jetzt was bewegt und ich möchte dem, was ich bekleidungstechnisch in meiner Ausbildung bisher gelernt habe, mehr Raum auf meinem Blog geben. Das könnte dann zum Beispiel wie in diesem Post von vor knapp einem Jahr aussehen.

Denn mir ist in den letzten Wochen mehr und mehr klar geworden, dass ich in diesem Feld tatsächlich meine Zukunft sehe. Und ich schätze, dann sollte ich langsam mal anfangen, mich mehr zu trauen. Auch wenn es dann bald vielleicht eine andere Bloggerin gibt, die sich aufgrund von meinen schlechten Posts zu einem ähnlichem Beitrag wie diesem gezwungen fühlt .. 😀

9 thoughts on “Neue Kategorie: „Hintergrundwissen Bekleidung“

  1. Ich gehöre zwar eher zu den Menschen, die zum Nähen weniger Talent und Können mitbringen, und trotzdem einfach mal drauflosmachen, weils Spaß macht 😉 Aber solche Artikel finde ich definitiv sehr interessant, und ich würde mich freuen, mehr von dir in diese Richtung zu lesen. Und: Stell dein Licht nicht so unter den Scheffel! Du bist doch bestimmt richtig gut informiert, kreativ bist du auch und gut und unterhaltsam schreiben kannst du sowieso. Wer Blogs liest, der weiß ja normalerweise, dass Bloggerinnen und Blogger die Weisheit nicht allein gepachtet haben und erwartet außerdem keine professionelle Schneiderin mit zehn Jahren Berufserfahrung hinter dem Post. Wenn jemand bei dir einen Fehler finden sollte, kann er dich ja auch einfach darauf hinweisen, und du lernst noch was dazu, oder? Also mach dir keinen Stress und schreib über das, was dich interessiert und dir gefällt 🙂

    1. Hihi, du kanntest die Redewendung nicht?! Ich hoffe, ich habe dich nicht allzu sehr verwirrt 😀

      Und vielen Dank für deinen Kommentar zu meinem Gedanken-Post. Ich glaube und hoffe, dass alternative Arbeitsmodelle immer mehr in der Gesellschaft ankommen und viele Menschen sich darüber Gedanken machen. Ich bin, glaube ich, zum ersten Mal darauf gestoßen, als mir eine Bekannte erzählte, sie arbeitet 'nur' 30 Stunden die Woche. Ihr Freundeskreis würde das kaum verstehen, aber sie hat für sich entschieden, dass sie mit mehr Geld nur mehr, eigentlich sinnlosen Besitz anhäuft, und stattdessen lieber die Zeit nutzt. So etwas find ich eine gute Alternative.

      Die Anti-Uni-Seite kannte ich, da hab ich mal was in der Zeit gelesen. Ich find diese ganzen "Education Hacker" und Möglichkeiten zum individuell Weiterbilden echt super, aber ich glaube, dass es schwierig ist, solche Dinge irgendwie anzuerkennen. Ich denke, dass das System Uni an sich schon sinnvoll ist, es müsste nur offener und freier gestaltet werden – und ich bin mir sehr sicher, dass ich mein Studium auch abschließen werde. Trotzdem finde ich, dass solche Geschichten richtig Mut machen. Und ich find die Idee klasse, sich seinen zukünftigen Beruf bzw. seinen Lebensweg nach seinen persönlichen Werten, Vorstellungen und Vorlieben auszuwählen, also sich einfach klar zu machen, wie man arbeiten möchte – ob "9 to 5" oder lieber selbstständig.

      Eine andere Bewegung, mit der ich auch nicht zu 100% übereinstimme, die aber (wie ich finde) spannende Ansätze und kluge Texte bieten, sind die "glücklichen Arbeitslosen" – kannst dir ja mal deren Manifest durchlesen 😉

  2. Ich finde auch, du solltest dich nicht so unter Wert verkaufen. Was ich bisher immer so gelesen/gesehen habe, fande ich wirklich gut. Du bist kreativ und solltest es ruhig auch mal zeigen. Ich nähe auch seit einer Weile, aber es ist weit entfernt von 'sehr gut'. Was ich als gut erachtete, fand meine Oma schrecklich und so durfte ich so manche Nähte wieder auftrennen.
    Ich würde mich z.B. über so manche Kniffe und Tricks freuen. (Die Entdeckung des Overlock Fußes war für mich z.B. grandios) Tja, aber das muss einem erstmal jemand sagen.

    🙂

  3. Liebe Leni,

    ach ja, solche Situationen kenne ich auch… 😉 Ich gehöre auch zu den Leuten, die erst dann den Schnabel aufsperren, wenn sie sich ihrer Sache nicht nur 100%, sondern 150% sicher sind. Wenn andere ganz selbstsicher loslegen, denke ich automatisch, dass die rechthaben, denn ich würde so ja nur auftreten, wenn ich mir gaaanz sicher bin. Und bin immer etwas von den Socken, wenn ich bemerke, dass auch die meisten anderen nur mit Wasser kochen. 🙂 Selbstkritisch sein ist toll, das sollte man sich bewahren, um sich im Leben immer mehr zu entwickeln und immer besser zu werden. Aber ich versuche gerade, öfter mal selbstbewusst hinter meiner Meinung/meinem Wissen/meiner Arbeit zu stehen, selbst wenn ich gerne noch besser wäre. Anders geht man ja ganz unter und überlässt den Blendern und Aufschneidern das Ruder. Und zwischen denen und den ganz Unsicheren gibt es ja ein sympathisches Mittelding: selbstbewusst zu sich stehen, sich nicht verstecken und einen eventuellen Fehler souverän zugeben und daraus lernen. Hoffentlich komme ich da auch mal hin…
    Du kannst es Dir jedenfalls gut und gerne erlauben, dein Wissen zu teilen. Du überdenkst die Dinge kritisch und hast hohe Ansprüche an das, was Du tust. Lass' uns gerne daran teilhaben, wir freuen uns!

    Alles Liebe,
    Proserpina

    1. ich weiß ganz genau was du meinst, ich denke dann auch immer im ersten moment, dass diese leute richtig viel ahnung haben und in den meisten fällen ist das allerdings doch nicht so 😀
      und vielen dank 🙂

  4. Ich bin da anderer Meinung… Ich selbst habe mir das Nähen selbst beigebracht und hab mir von gelernten Schneidern schon oft Sprüche wie "so macht man das aber nicht!" anhören müssen. "man" macht es vielleicht nicht so – ich jedoch schon. Allerdings bin ich auch jemand, der nicht nach Perfektion strebt sondern das Liebenswerte an Selbstgemachtem auch – oder vielleicht gerade – im Unperfekten sieht.

    Nichtsdestotrotz würde ich mich sehr über Anleitungen von einer Fachfrau wie dir freuen. 🙂 Fand deinen Post super, auch wenn ich eben anderer Meinung bin. (Was ja auch gar nicht schlimm ist, im Gegenteil!)

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Hi Jenni,

      genau Deine Herangehensweise ist es, von der ich meinte, dass ich sie auch gerne erreichen möchte. Du stehst hinter Deinen Werken, kannst aber offen zugeben, dass etwas mal nicht 100% perfekt ist. Finde ich sympathisch.
      Liebe Grüße,
      Proserpina

    2. Hey Jenni,
      danke für deinen Kommentar! Ach weißt du, um Perfektion ging es mir dabei auch gar nicht so oder "ob man das so macht". Aber bei dieser Anleitung hat mich am meisten gestört, dass in der Anleitung etwas stand, was in der Praxis gar nicht angewendet wurde, wie man dann auf den Fotos sah. Beispielsweise sollte knappkantig (also 2mm von der Kante) gesteppt werden, die Naht befand sich aber in einem Abstand von ca 1cm, also nahtbreit. Die Versäuberung saß nicht an der Kante, sondern mitten im Teil, und hat somit keinen Zweck mehr erfüllt. Das hat dann nichts mehr mit unkonventionell zu tun sondern einfach mit "das macht keinen Sinn." Da hat es sich einfach in mir zusammengezogen 😀

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