Gedanken: Besitz und Minimalismus

Als Kind war ich ein echter Messie. Ich habe alles gehortet, ALLES. Vor allen Dingen Papier hatte es mir angetan, egal ob gemaltes, alte Kassenbons oder Verpackungen wie Kaugummi- und Bonbonpapiere. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie meine Mutter regelmäßig Versuche gestartet hat, mit mir auszumisten. Wir haben alles in eine große Kiste geräumt, sind für ausreichend Platz in den Keller gegangen und haben uns jedes einzelne Papierchen ganz genau angeschaut – mit dem Ergebnis, dass ich mich von nichts trennen konnte und jedes Schnipselchen wieder den Weg zurück in mein Zimmer gefunden hat.

Meine liebe Mama hat mich nie gezwungen, irgendetwas wegzuwerfen. Sie hat mich nur immer – ein wenig eindringlich – gefragt, ob ich dieses und jenes noch wirklich brauche. Und im Gegensatz zu früher, als dieses Verhör nicht gefruchtet hat, stelle ich mir diese Frage heute umso öfter – mit dem Ergebnis, dass ich mich inzwischen sehr wohl trennen kann. Wer weiß, ob das auch so gekommen wäre, wenn ich damals die Schnipsel hätte wegwerfen müssen .. 😉

Ich bin ziemlich davon überzeugt, dass Besitz, der über die Notwendigkeiten – und die sind natürlich Sache der Definition.. – hinaus geht, uns nicht glücklich macht. Ich gehe noch weiter und sage, dass zu viel Besitz uns eigentlich eher lähmt und uns zu viel Energie raubt. Denn Besitz will gepflegt werden und benötigt Raum. Pflege bedeutet Zeitaufwand, Raum bedeutet Anschaffungen (wie Regale, Kommoden, Schränke, weiter gedacht sogar zusätzliche Zimmer) und somit finanzielle Einbußen. Besitz bedeutet also Zeit und Geld und im Umkehrschluss investieren wir Zeit und Geld für Dinge, die wir in den meisten Fällen gar nicht unbedingt benötigen oder ohne die wir zumindest nicht unglücklicher wären.

Uns wird gern vorgegaukelt, dass wir glücklicher wären, wenn wir nur dies oder jenes hätten. Ich glaube, dass wir glücklicher wären, wenn wir uns von diesem Gedanken freimachten. Deshalb habe ich in den letzten Wochen fleißig ausgemistet und gestern einen schönen Tag mit meiner Josephine auf dem Flohmarkt verbracht – mein erstes Mal übrigens, dabei wollte ich schon sooo ewig mal gehen!

Doch wenn ihr nun denkt, damit hätte sich das Thema, liegt ihr falsch. Mir hat es das Thema Minimalismus so angetan, dass es sich in meinem Kopf zu einem richtigen Wettkampf entwickelt hat, immer mehr auszumisten. Und daran würde ich euch natürlich gern teilhaben lassen! Deshalb habe ich mir überlegt, immer mal wieder verschiedene Wohn- und Lebensbereiche aufzugreifen und darüber zu berichten, ob sich der Minimalismus in diesem Bereich bei mir durchsetzen kann – oder nicht. Und warum. Ich hoffe, ihr habt Lust drauf!

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31 thoughts on “Gedanken: Besitz und Minimalismus

  1. Hallo,
    oh ja, ich hab Lust auf deine Berichte dahingehend! Ich beschäftige mich selbst auch grad sehr mit Minimalismus, Konsum(verzicht), usw. Leider fällt es mir oft sehr schwer mich von Dingen zu trennen, obwohl ich weiß, dass ich dieses oder jenes (ziemlich sicher) nicht mehr brauchen werde und mich das viele Zeug, das ich habe auch sehr einschränkt in Raum und Freiheit…
    Ich arbeite an mir…
    Alles Liebe
    Bettina

    1. Hahah, das kenne ich! Ich bin bei Geschenken auch sehr kompliziert geworden, und möchte eigentlich nur noch Gutscheine haben oder wirklich etwas, das ich mir explizit gewünscht habe. Was ich auch ganz schlimm finde: diese ganzen Pröbchen etc. die man mit Bestellungen zugeschickt bekommt. Wenn wir zum Beispiel Katzenfutter oder -streu bestellen, sind da noch ziiiig Leckerli-Tütchen etc. dabei, die ich alle nicht haben will und Spielzeug etc. Ich haaasse das. Habe mir auch schon angewöhnt, sowas immer bei Bestellungen mit anzugeben..

  2. Bei mir ist das immer so ein Zwiespalt. Eigentlich brauche ich die Sachen nicht mehr und möchte sie gerne wegschmeißen, andererseits sage ich mir dann, dass da ja auch Erinnerungen dranhängen oder das ich sie irgendwann ja doch noch brauchen könnte. Wenn ich dann aber doch mal ausmiste, fühle ich mich danach viel wohler. Ich finde, es hat oft etwas total befreiendes sich von Dingen zu trennen. Man hat das Gefühl eine Last fällt von einem ab und es ist wieder Platz für etwas Neues da.

    Liebe Grüße,

    Hanna von Written In Red Letters

    1. Es hast definitiv etwas befreiendes! Aber mit den Erinnerungen: es spricht ja nichts dagegen, "Unsinniges", das mit schönen Erinnerungen verbunden ist, zu behalten. Ich hab so ein paar kleine Kisten mit Persönlichem, aber die geh ich auch alle paar Monate mal durch. Manchmal passiert es nämlich auch, dass ich nicht mal mehr weiß, von wem ich das habe oder welche Erinnerungen dran hingen..

  3. Sehr spannend! Wie war denn dein erstes Mal als Verkäuferin auf dem Flohmarkt? Hast du einiges losgekriegt? 🙂

    Ich möchte mir auch schon so lange meinen ganzen Kram vorknöpfen und mal so richtig aussortieren… Ich horte nämlich auch so viel an und kann mich nur schwer trennen. Damit muss echt mal Schluss sein.

  4. Ich freu mich auf die Posts! Minimalismus interessiert mich auch – aber ich weiß oft nicht, wo ich anfangen soll. Deshalb hoffe ich, dass der erste Post bald kommt (: Liebe Grüße!

  5. Ich finde das Thema sehr interessant! Stelle mir in letzter Zeit oft die Frage, was ich wirklich brauche (vor allem, wenn etwas neues angeschafft werden soll…)
    Bin gespannt auf folgende Posts 🙂
    Alles Liebe
    Hanna

    1. das spannende ist, dass man bei der frage nur in den seltensten fällen mit: "ja, das brauche ich wirklich" antwortet. nur muss man sich die frage einfach mal öfter stellen..

  6. Ich sehe das auch so. Wenn man aber anfängt, die Dinge auszumisten, dann bemerkt man erst, wie viel man eigentlich hat…unnötig hat. Ich habe mein Badezimmer minimalisiert (Blogpost folgt bestimmt noch…) und ich muss sagen, dass es einfach GENAIL ist, wie schnell so ein leeres Bad zu putzen ist. Ich habe eine Bürste, Kontaktlinsen, Zahnputzzeug und ein paar andere Artikel noch auf einem Regalbrett stehen und das war`s dann. Gut, man muss sagen, dass ich mich eh nie viel schminke und auch mein Schminkzeug aus Platzmangel eh im Gang beim Spiegel steht, aber das war schon immer übersichtlich in einer Kiste verräumt. Ich folge dir jetzt mal und bin gespannt, wie du dieses Thema für dich weiter in Angriff nimmst. Beste Grüße

  7. Ach, so war ich früher auch 😀 Ich habe Tüten aller Art gesammelt, besonders irgendwelche schönen bunten aus kleinen Boutiquen 🙂 irgendwann wurden es aber so viele, dass ich sie wegwerfen musste und mittlerweile denke ich mir meistens, dass weniger ja doch eigentlich mehr ist 🙂

    Liebe Grüße von Franzi von Little Things

  8. Ich finde das Thema sehr interessant& spannend, würde gern mehr dazu von dir hören. Mir geht es da sehr ähnlich- früher hatte ich so viel Mist, gerade solch Deko-Schnulli, kleine Figürchen- oder auch irgendwelche Dinge aus der Natur, die ich in meinem Zimmer hortete.
    Ich merke grade, dass mir auch zu dem Thema sehr viel einfällt, vielleicht greife ich das ja demnächst mal auf und berichte über meine Gedanken dazu.
    Bis dahin, weiter so! Liebe Grüße

  9. Ich bin im letzten Jahr zu meinem Freund gezogen. Das war ein Entrümpeln auf unfreiwilliger Art..
    Erst habe ich nur das Nötigste mitgenommen und nur das geholt was ich benötigte.
    Schon erstaunlich wie sich dabei die Spreu vom Weizen trennt 😀

  10. Ich finde dieses Thema sehr interessant und freue mich schon auf deine weiteren Beiträge dazu!
    Ich selber kann mir einen sehr minimalistischen Lebensstil nicht vorstellen, so wie ihn manche führen. Dennoch sehe ich es auch so, dass zu viel Besitz ungelücklich macht, bzw. eben einfach belastet. Ich miste regelmäßig und vor allem gerne aus. Ich finde, dass das ein sehr befreiendes Gefühl ist. Seit einigen Jahren bin ich dadurch auch in Sachen Einkaufen aufmerksamer geworden und kaufe weniger "Müll". Trotzdem habe ich bei weitem immernoch genug Zeug um mich herum 😀 Aber alles was nicht mehr gebraucht wird verlässt eigentlich sehr schnell meinen Haushalt.

    Liebe Grüße,

    Izzie
    http://ordnungstipps.blogspot.de/

    1. also, ich plane jetzt auch nicht, so ein extremer minimalist zu werden.. aber ich möchte in dem wissen leben, dass ich alles, was ich besitze, auch irgendwie benötige, oder aber zumindest bewusst behalten möchte, aus welchem grund auch immer!
      und das, was du da beschreibst, klingt doch sehr gut! 🙂

  11. Oh ja, sehr große Lust sogar. Das Thema beschäftigt mich sehr oft. In meinen Träumen habe ich nämlich eine verträumte, süße kleine Wohnung (Wohnwagen) mit ganz wenig Besitz und sehr viel Zufriedenheit. In der Realität weiß ich aber nie, was ich aussortieren soll, weil ich meine Sachen alle mag, oder Erinnerungen daran hängen oder sie eben praktisch sind. Vielleicht helfen mir deine Ideen ja weiter?
    Liebste Grüße
    Eva

  12. PS: Ein paar Dinge, die ich wirklich nicht mehr brauche oder nicht mehr schön finde, die aber noch gut sind, habe ich letzte Woche in einer Zu-verschenken-Kiste an die Straße gestellt. Fast alles hat einen neuen, glücklichen (?) Besitzer gefunden.

  13. Über Minimalismus denke ich in letzter Zeit auch viel nach, so beim Umzug und beim Ausmisten. Allerdings habe ich oft so ein bisschen das Problem, dass ich Sorge habe, etwas auszumisten, das ich dann in einem halben Jahr wieder brauche – und mir dann teuer und sinnlos neu kaufen muss. Ich ziehe ja gerade zu meinem Freund und hab so viele Dinge wie zB. Vorhänge, die ich jetzt gerade nur in den Keller stapeln kann und liebend gerne los wäre – die ich aber bestimmt brauchen kann, wenn ich wieder umziehe. Aber ich hab jetzt erst mal einen Haufen Klamotten aussortiert, das war schon mal ein guter Schritt 🙂

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