Die Sache mit Gewohnheiten

Warum nur mag es so schwer sein, Dinge, die einem doch eigentlich ganz gut tun, zur Gewohnheit werden zu lassen? Sie in den Alltag aufzunehmen und dadurch viel weniger gestresst und viel ausgeglichener zu sein? Ich rede hier noch nicht ein mal von so zeitaufwändigen Dingen wie Sport – sondern vom bloßen Aufschreiben von Dingen, die nicht vergessen werden sollten.

Könnt ihr euch noch an mein Anti-Stress-Projekt erinnern? Ein Unterpunkt war damals das Zeitmanagement, bei dem ich mir – immerhin kurzzeitig – angewöhnt hatte, ein Notizbuch zu führen, um nicht den Überblick über das zu verlieren, was halt so sein musste: Schulkram, Termine, Vorhaben, Wichtiges, Unwichtiges – hier und hier könnt ihr nochmal nachlesen.

Das tat mir gut. Ich war viel ruhiger, entspannter und hatte eher auch auf dem Schirm, was ich eigentlich alles so schaffen kann, wenn ich mir ein wenig Mühe gebe. Aber irgendwann, ich weiß nicht ein mal wann genau, hat sich die Angewohnheit dann doch wieder aus meinem Leben geschlichen.

Und dann wurde vor kurzem die Unzufriedenheit ganz groß. Ich wurde wieder zu dieser Couchkartoffel, die stundenlang unproduktiv vor Laptop und Fernseher hängt und dem Mann vorjammert, wie blöd das Leben doch ist, weil langweilig und lustlos und nichts zu tun – um am nächsten Morgen zu merken, dass das Wichtigste für den anstehenden Tag vergessen wurde. Während ich am Vortag halt Stunden „nichts zu tun“ hatte. Und ich erinnerte mich daran, dass dieses stupide Aufschreiben von allem möglichen mir damals geholfen hatte.

Das ist jetzt „mein Neuer“. Gedanken ordnen, Vorhaben planen, sie in die Tat umsetzen und alles andere fällt plötzlich wieder viel leichter und ich liebe das Gefühl. Es mag echt blöd klingen und irgendwie unglaubwürdig, aber allein das Aufschreiben von Dingen, wenn auch Nichtigkeiten wie „Altpapier wegbringen“ nimmt mir irgendwie Druck. Man möchte zwar meinen, dass eine lange Liste von Dingen, die – irgendwann – erledigt werden wollen, einen größeren Druck aufbaut, aber ich persönlich finde es viel schlimmer, wenn mir ständig einzelne „Oh Mist – ich muss ja noch .. „’s durch den Kopf schwirren, die ich anschließend sofort wieder vergesse, nur um mich dann in den unpassendsten Situationen wieder daran zu erinnern und ein schlechtes Gewissen des Vergessens wegen zu bekommen. (Kommt hier noch jemand mit .. ?)

Um mir immer wieder vor Augen zu führen, warum ich das überhaupt mache, habe ich das einfache schwarze Notizbuch mit der lateinischen Übersetzung von „Jeder ist seines Glückes Schmied“ verschönert. Den Spruch habe ich auf Kraftpapier ausgedruckt und dieses dann mit Maskingtape befestigt. Auf den ersten Blick sieht es nicht mal selbstgemacht aus, oder?

Am Rande noch, aber trotzdem ganz wichtig: nicht beherrschen lassen. Die Notizen sollen mir eine Hilfe sein, um meinen Kopf frei zu bekommen und damit ich nichts vergesse. Keinesfalls aber will ich ein Sklave dieses Notizbuches sein. Fünfe auch mal gerade sein lassen ist nie verkehrt und Dinge doch mal auf morgen verschieben auch nicht schlimm!

Was außerdem hilft, ist, sich die Formulierung „Ich muss noch ..“ abzugewöhnen. Im Endeffet muss man nur einen winzigen Bruchteil von all den Dingen, die man sich so vornimmt. „Ich darf“ klingt dagegen ein wenig lächerlich, weshalb ich mich mit meinem Kopf auf „Ich möchte“ geeinigt habe. Klappt ganz gut. Probierts mal!

 

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18 thoughts on “Die Sache mit Gewohnheiten

  1. ich weiß genau was du meinst, oft sind es echt die einfachsten dinge, die einem helfen können
    bei mir zb hatte mein alter kalender ringbindung und lag oft offen neben mir auf dem tisch, seit ich einen neuen, normal gebundenen habe schaue ich viel seltener rein und vergesse einige dinge
    lg

  2. Das kenne ich nur zu gut. Eigentlich verwende ich einen Kalender für meine Termine und ein Notizbuch für meine Ideen. Derzeit endet es jedoch immer in einer Zettelwirtschaft. Obwohl ich ganz genau weis dass das nur zum innerlichen Chaos führt, kann ich es derzeit einfach nicht lassen. Aber es kommen auch wieder andere Zeit. Und zwar ab jetzt 😉

  3. Tolle Sache, das muss ich mir auch mal wieder angewöhnen. Stress ist bei mir da gar nicht mal so der Faktor, aber solche listen motivieren mich total, weil ich dann einfach am Ende des Tages stolz auf das bin, was ich alles erledigt habe.

    1. du hast recht, das ist wirklich sehr motivierend! ich denke mir dann auch immer: man, wozu du eigentlich alles in der lage bist, wenn du mal fernseher und laptop abschwörst 😀

  4. Dein To-Do-Büchlein sieht wirklich hübsch aus, und wirkt tatsächlich überhaupt nicht selbstgemacht. Wobei selbstgemacht ja absolut nichts Negatives ist 😉
    Ich verstehe dich in dieser Ich-muss-möchte-darf-Sache auch total. Da liegt man abends im Bett, und auf einmal fallen einem diese gefühlten 1000 DInge ein, die noch erledigt werden MÜSSEN. Und dann fühlt sich dieses MÜSSEN auch gleich ganz schwer im Magen an. Ich habe den ersten Schritt schon verstanden: Wenn ich wirklich das Gefühl habe, die Welt mit all ihren Aufgaben fällt mir gleich auf den Kopf, dann fertige ich eine popelige Liste in meinem Handy an. Damit es nicht mehr ganz so schlimm aussieht.
    Weiser (und schöner anzusehen!) wäre es wohl, schon vor der nächtlichen Panikattacke alle Aufgaben, die ich erledigen MÖCHTE, wie du in einem hübschen Büchlein aufzuschreiben. Ich werde mir deinen Post ab jetzt zu Herzen nehmen und gleich morgen eine Liste (auf Papier!xD) anfertigen. Verstand über Faulheit, yeah!

    Liebe Grüße 😉

  5. Das Buch ist wirklich super süß & ich versteh deine Frage, warum wir so gute Ideen, die wir ja auch so gerne anderen mitteilen, nie für uns selbst durchgängig umsetzten. Bei mir ist's das gesündere Ernähren. Obwohl ich ganz genau weiß das in der Küche leckere Pfirsiche auf mich warten, greife ich zur Chipspackung. Ouh man 🙁
    Liebst,
    Farina

  6. Das macht total Sinn was du schreibst. Mir geht's immer ganz genauso! Ich hab mir sogar extra mal so einen tollen Zeitmanagement-Ratgeber gekauft. Ganz gelesen habe ich ihn nie, aber mir viele gute Tipps mitgenommen. Und die aller erste Regel war: aufschreiben! In dem Moment, wo wir Aufgaben aufschreiben, ist der Kopf wieder frei, weil das Gehirn sie als "wo anders abgespeichert" kategorisiert. Und wenn man Alles aufschreibt, merkt man auch oft, dass es eigentlich sehr gut machbar ist, was wir uns vorgenommen haben. Das Gegenteil ist, wenn man sich viele Sachen versucht zu merken und im Endeffekt gar Nichts schafft, weil einen allein der Gedanke an die Menge schon total blockiert – auch wenn es im Endeffekt nicht viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Ich glaub manchmal, mein Gehirn hat einfach nicht soviel "to do"-Speicherkapazität wie das von anderen Leuten. Deswegen ist Listen schreiben für mich ebenfalls unverzichtbar. Oft schreib ich da sogar drauf, wenn ich eine Maschine Wäsche angemacht habe. Damit ich nicht vergesse sie wieder aufzuräumen… Jaja. 🙂 Ich les deinen Blog übrigens gern!

    1. ganz genau, mir geht es auch viel um dieses "der kopf ist wieder frei, sobald es aufgeschrieben ist"-gefühl! wenn einem immer wieder, alle paaar minuten, noch irgendetwas einfällt, was man tun muss, kommt es einem einfach soo viel mehr vor, als es eigentlich ist!

  7. Kann mich deinem Text komplett anschließen. Hatte es sogar selber versucht, bin aber wieder in alte Muster zurückgefallen. Dieses Semester ist aber ungeheuer viel zu koordinieren (besonders hinsichtlich meines Wunsches, nicht allzu sehr über die Regelstudienzeit zu gehen) und ich merkte schnell, wie ich ins Ruder und sogar Panik bekam. Ständig dieses Gefühl, etwas zu vergessen, furchtbar!
    Habe mir dann doch noch einen Terminkalender für 2014 gesucht (gar nicht so einfach, den im April des selben Jahres noch zu finden!), und zwar einen von Moleskine in DIN A5, wo links die Woche steht und rechts eine ganze Seite einfach nur liniert ist. Wunderbar für wöchentliche To Do-Listen!
    Der unbeabsichtigte "Versuch", zwischendurch in alte Muster zurück zu fallen, rächte sich auch gleich mit unvollständigen Seminarunterlagen o.Ä. in der Uni… Also flugs wieder nachlesen und aufschreiben. Fun fact: Sachen, die ich mir ORDENTLICH aufschreibe, merke ich mir von ganz alleine. Ulkig.

  8. Ich versteh dich voll und ganz, ich nehm mir auch immer so viel vor und dann verblasst das Vorhaben nach und nach.. Ich brauche auch immer einen hübschen Kalender und viele Notiblöcke, das hilft 😉

    Liebe Grüße!
    Anna

  9. So ein ähnliches Buch hab ich auch. 🙂 Nicht ganz so schick, aber sehr hilfreich, um sich vor Augen zu führen, dass man eben nicht den ganzen Tag "nichts" getan hat. Darin stehen vorne die Dinge, die aktuell wichtig sind und abgearbeitet werden müssen/wollen und hinten schreibe ich an Selbstzweiflertagen auf, was ich an diesem Tag schon alles erledigt habe – vom Waschmaschine befüllen übers Einkaufen bis zum Katzenklo reinigen. Das zeigt ganz deutlich, dass ich meistens ziemlich viel tue, wenn auch nicht immer in der sinnvollen Prioritätenreihenfolge. Aber es hilft gegen das Gefühl eine totale Lusche zu sein. 😉

    Es gibt übrigens ja nicht nur die Polarität zwischen Genie und Wahnsinn, denn die Ausschläge nach oben und unten sind ja nicht zwangsläufig so extrem. Aber egal auf welchem Level ist es gut, wenn man es schafft, die Balance zu halten. Gut fürs eigene Seelenheil und das aller Mitmenschen. 🙂

    Herzlich, Katja

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