Outfit: the blue dress

Wusstet ihr eigentlich, dass ich seit circa sieben Monaten nicht mehr in „herkömmlichen“ Läden wie H&M, Zara und Konsorten einkaufen war? Seit ich wie vom Teufel besessen von diesen ganzen Nachhaltigkeits- und Fairtrade-Gedanken gepackt wurde, habe ich keinen Fuß mehr in einen Laden gesetzt und meinen Kleidungskonsum erstmal vollkommen aufgegeben. Und irgendwie fühlt sich das unglaublich gut an! Erst seit wenigen Monaten schaue ich mich ab und an mal wieder auf Kleiderkreisel um und selbst dort habe ich ein Teil erstmal ewig in meiner Favouritenliste bevor ich mich dann entschließe es zu kaufen – oder eben nicht. 
Worauf ich ursprünglich hinaus wollte: in den relativ wenigen Outfitposts, die es hier auf meinem Blog gibt, werden keine konventionell produzierten Kleidungsstücke mehr im Mittelpunkt stehen. Es wird von nun an wahrscheinlich vier Arten von Outfitposts geben:
– grüne Mode aus ausgewählten Shops
– Secondhand-Kleidung
– ältere Kleidung aus meinem Besitz, die umgeändert wurde 
– gleiches Teil, verschiedene Kombinationen
Der Schwerpunkt wird nicht (mehr?) auf „Hey, schaut mal was ich so an hatte, sehe ich nicht umwerfend aus?“ liegen, sondern darauf, dass man sich auch mit gutem Gewissen anziehen kann. Dass es Alternativen gibt, man aus alten Teilen tolle neue zaubern kann und man manchmal nur ein bisschen kreativ sein muss um aus einem eventuell eher minimalistischen Kleiderschrank viel herausholen zu können.
Was mich an vielen Modeblogs und Bloggern nervt? Die Einstellung, jedes Teil nur einmal zeigen können zu dürfen – weil es ja voll uncool ist, mehrmals im gleichen Outfit gesehen zu werden. Und das Denken, dass für zig Euro Primark leer zu kaufen und den Haul zu zeigen eine Kunst ist, die Lob und Komplimente verdient. Ist es nicht viel anspruchsvoller, aus einem Teil mehr herauszuholen als nur eine einzige Kombination? Viel schöner, ein einzelnes Stück mit Geschichte in den Händen zu halten als ständig neue, zu denen man gar keine richtige Verbindung hat?

Und was mich manchmal an Leserkommentaren stört – nicht hier auf meinem Blog, aber ich bin mal irgendwo drüber gestolpert – dass sich tatsächlich beschwert wird, dass unter Outfitposts gar nicht steht, woher die Teile sind. So könne man ja schließlich gar nichts damit anfangen, wenn man sie eh nicht nachkaufen könne. Also ich für meinen Teil möchte gar nicht, dass ihr euch meine Kleidungsstücke nachkaufen möchtet. Nicht weil ich in der achten Klasse hängen geblieben bin, wo eine Mitschülerin plötzlich zur Erzfeindin wird, weil sie die gleiche Winterjacke (bei H&M) gekauft hat. Sondern weil ich Menschen nicht dazu verleiten möchte, zu kopieren. Inspirieren, ja gerne! Und euch dabei helfen, euren eigenen Stil zu finden auch. Aber mehr auch nicht.
Bei Secondhandkleidung oder Selbstgenähtem haben die Quellen natürlich eh keinen Sinn. Deshalb bin ich auch darauf gekommen 😉

Hier ist es also. Das blaue Secondhand-Kleidchen, dessen Ärmel ich vor wenigen Tagen noch gekürzt habe (siehe hier) und das ich genau in der Kombination gleich zur MG zieht an – Messe getragen habe. Ganz ehrlich? Ich bin SO froh, dass ich mich endlich getraut habe, es abzuändern! Jahrelang hing es traurig im Schrank, dabei fühle ich mich so unglaublich wohl in ihm – irgendwie ist es echt DAS Kleid für mich, es passt irgendwie so gut zu meinem Bubityp. Finde ich jedenfalls.
Außer dem Blazer ist tatsächlich auch alles andere Secondhand, also Tasche und Schuhe.

Und weil ich eben so viel darüber geschrieben habe, dass es schön ist, wenn Teile Geschichte haben:
Das Kleid habe ich Ende 2010 gekauft, während ich einsam in meiner Holland/Enschede-Zeit vorm Laptop saß und durch Ebay stöberte. Als ich es das erste mal anzog, fühlte ich mich ein bisschen wie Audrey Hepburn und erstellte diesen Post. 2011 trug ich es am ersten Weihnachtstag, an dem meine Schwiegermama in Spé Geburtstag hat. Ich hatte es mit einer cremefarbenen Wollstrumpfhose kombiniert, die ich an dem Tag das erste Mal getragen habe. Circa zehn Minuten nach Ankunft hat ihr Hund mir ein riesiges Loch hineingekrazt. Die Schuhe habe ich ebenfalls 2010 gekauft, ich war damals mit meiner Mutter auf dem Flohmarkt. Sie kosteten nur 3 Euro, doch als ich sie dann das erste Mal getragen habe – auch in Holland – hat sich plötzlich am linken Schuh die gesamte Sohle abgelöst und ich musste sie für acht Euro erneuern lassen!
| Filed under Nachhaltigkeit, Outfits | Tags:

28 thoughts on “Outfit: the blue dress

  1. Ich finde deine Einstellung unheimlich bemerkenswert und sehr erfrischend. Vielen Dank für einen anderen Blick auf das ganze festgelaufene Modebloggerverhalten.
    Lg Ann-Sophie

  2. wirklich schon kombiniert und das mit der nachhaltigkeit finde ich wirklich klasse. ganz meine einstellung.
    jeder kann mit viel geld sich klamotten bis zum abwinken kaufen und diese auch pressentieren.
    ich persönlich mag es auch nicht neue sachen anziehen keine ahnung warum. so kann es sein das ich neue sachen eine woche im schrank hängen habe nur damit ich sagen kann. nein die sind nicht neu. total verückt.
    die kunst ist es wirklich aus alten teilen was neues zuzaubern und dies ist dir wirklich gelungen.

  3. Zitat Leni: "Was mich an vielen Modeblogs und Bloggern nervt? Die Einstellung, jedes Teil nur einmal zeigen können zu dürfen – weil es ja voll uncool ist, mehrmals im gleichen Outfit gesehen zu werden." Genau das finde ich auch! Ich finde oft Kleidungsstücke wirklich schön, die ihr Blogger tragt, aber ich finde es immer traurig, wenn man das nur einmal als Leser zu sehen bekommt. Ich finde gerade Posts cool, bei denen es um verschiedene Kombinationsmöglichkeiten eines Kleidungsstückes geht, bei denen man sieht, wie viel man aus einem Teil rausholen kann! Das sieht man aber leider viel zu selten und ich schäme mich irgendwie ein bisschen dafür, als ich bemerkt habe, dass Blogs mich auch zum Kaufen anregen. Nicht unbedingt zum Nachkaufen, aber mein Klamottenkonsum ist immens in die Höhe gegangen in den letzten Jahren und ich glaube, das hängt damit zusammen und auch, dass ich durch die Ausbildung regelmäßig Geld bekomme.
    Als ich dieses Wochenende meine Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnung gesehen habe, musste ich auch ganz schön schlucken. In letzter Zeit habe ich so viel wieder eingekauft… Dabei hat man doch genug im Schrank! Ich möchte mir nun ein Beispiel an dir nehmen – zwar werde ich nicht auf grüne Mode umsteigen, aber ich möchte meine "alten" Teile intensiver tragen und damit viel mehr ausprobieren. Und ich möchte mir in nächster Zeit nichts an Klamotten, Schuhen oder Schmuck kaufen, außer wenn ich etwas wirklich brauche (sowas wie Socken oder so :D). Ich bin gespannt, inwiefern ich das aushalte, aber ich versuche mich mit anderen Belohnungen zu motivieren (z.B. in den Zoo gehen oder mir nach dem Sommer einen Wunsch von meiner Wunschliste erfüllen, der etwas mehr kostet).
    Solche Posts von dir motivieren mich auf jeden Fall auch, darum hoffe ich, dass du uns öfter mal was aus deinem Schrank zeigst, was du neu kombinierst! 😉 Und die Geschichte zu den jeweiligen Kleidungsstücken finde ich auch super!

    Was ich noch sagen wollte: Deine Friseur sieht auf dem Foto super aus! Lässt du deine Haare wieder wachsen?

    Lieber Gruß,
    sraehnchenliesel

    1. lustig – genau DAS waren meine Gedanken dazu ..
      Meine Freude, wenn ich bei einem Blogger ein Teil entdecke, was ich schon kenne (wirklich Freude !) oder auch die Entsetzung über mein plötzliches Kaufrauschverhalten. Gruselig !
      Und ja – die Frisur (und irgendwie ein inneres Strahlen. oder in sich sein. oder ichweißauchnicht) steht dir wirklich ausgezeichnet !

      Achtest du eigentlich bei Kosmetika auch so sehr auf Fairness etc ?

    2. danke 🙂
      ich kaufe zumindest eigentlich nur naturkosmetik, tierversuchsfrei und auch vegan. nur wenn ich etwas, was ich wirklich dringend haben will, nicht bei diesen marken finde, greife ich auf essence oder p2 zurück, die ja aber auch immerhin tierversuchsfrei sind!

    3. @ straehchenliesel – man überlegt bei einem teureren teil auch immer noch mal länger, ob man es wirklich braucht, das ist ein vorteil 🙂

      und ja, ich lasse die haare zumindest bis ende juni noch wachsen, dann entscheide ich, wie es mit dem unkraut weitergeht 😉

  4. Ich habe auch so unendlich viele Kleidungsstücke, die ich umändern möchte, weil ich sie noch nie getragen habe. Die Geschichte deiner Kleidung finde ich sehr interessant und freue mich schon auf weitere 🙂

    LG, Sandrina

  5. Das Kleid passt wirklich perfekt zu dir, ich mag diese Art von Kleidung super gerne an dir. (Auch wenn das kein Mensch hören will: das sieht so frech aus ;)).
    Und die kurzen Ärmel machen es viel jugendlicher als es vorher aussah. Wirklich schön, gute Entscheidung! 🙂

    Liebe Grüße, Amelie

  6. Das Outfit sieht super aus. Das Kleid passt wirklich toll zu dir und durch die Kombination mit den Schuhen finde ich es auch schön lässig (stehe ich total drauf zurzeit).
    Zudem muss ich mal ein Kompliment aussprechen, dafür, dass du weg von dem "Ich-ziehe-das-nur-einmal-an"-Outfit-Posts weggehst und vorhast zu zeigen, wie man aus dem was man hat trotzdem interessante Outfits zusammenstellen kann. Ich selbst habe einfach nicht die finanziellen Möglichkeiten ständig irgendetwas neues zu kaufen und bin schon allein deswegen gezwungen aus meinem gering bestückten Kleiderschrank immer wieder neue Kombinationen rauszuholen in denen ich mich wohl fühle und mir trotzdem nicht so vorkomme als hätte ich immer das selbe an. Das ist gar nicht so leicht, aber es macht mit ein bisschen Geduld sogar richtig Spaß festzustellen, dass "das Kleid" auch mit anderen Schuhen, Strumpfhosen oder Jacken ganz anders aussieht und trotzdem toll.

    Ich bin schon gespannt, welche Inspirationen ich von dir so erhalte. Für das kopieren anderer Stile bin ich selbst gar nicht, ich denke man sollte den Stil finden der zu einem selbst passt und in dem man sich vor allem wohl fühlt.

  7. Du sprichst mir aus der Seele. Ich hab schon seit ca. einem Jahr nichts mehr in diesen besagten Modeausverkaufshäusern gekauft und je länger es dauert, desto weniger vermisse ich es "shoppen zu gehen". So als ob das tatsächlich eine freistehende Freizeitbeschäftigung wäre 🙁

    Weiter so, ich find es einfach nur toll.

    Lg Claudia

  8. Das Kleid schmeichelt dir echt ungemein! Die Farbe und der Kragen, superfancy sag ich da nur 🙂 Wenn ich dieses tolle Kleid besitzen würde, dann würd ich es mit meinen SH-Brogues tragen, aber deine SH-Stiefeletten gefallen mir total dazu! Hab auch so Ähnliche, nur abgeranzter. Secondhand-Schuhe sind überhaupt die Besten. Billig, und meistens aus echtem Leder. Bekommt man in der Kombi fast nirgends 🙂 Alles Liebe und weiter so in deinem Konsum-Denken!! Bin auch voll dafür.
    Jasmin

    fancychildhooddreams.blogspot.com

  9. Sehr gute Einstellung!
    Ich bin wirklich gespannt, was du dir alles einfallen lässt und auch, was du uns in Sachen grüner Mode präsentieren wirst.

    Diesmal ein wirklich tolles Outfit, das dir ganz ausgezeichnet steht. Ich finde deine Haare hier auch wunderschön. Die haben wieder eine richtig schöne Länge.

  10. Vielen Dank für diesen tollen Post, denn genau das schätze ich so sehr an deinem Blog: du tust, womit du dich gut fühlst, und das sollte jeder tun. Deine Beiträge regen zum Nachdenken an und du stichst mit deiner Haltung aus der Masse heraus. Außerdem hast du optisch etwas an dir, das mir sehr gefällt, du bist keine klassische Schönheit, aber auf eine außergewöhnliche Art sehr attraktiv. Danke, dass du dich nicht verstellst. 🙂

  11. Wirklich toll, dass du auf die Herkunft der Klamotten so großen Wert legst… was man in letzter Zeit von den Zuständen in den Fabriken mitbekommen hat, ist ja auch absolut schockierend. Ich würde es aber wahrscheinlich trotzdem nicht durchhalten…
    Und das Kleid ist auch wirklich süß… Punkte sind voll mein Ding!! 🙂
    Und hehe, nicht die Haare wachsen lassen… kurze Haare an die Macht!! 😀

    Und zuletzt…
    schau doch auch mal auf meinem Blog vorbei!
    http://coco-colo.blogspot.de/

    Liebe Grüße
    Coco

  12. The Blue Dress ist ein sehenswertes Outfit und gefällt mir persönlich sehr gut. Ich glaube, dass die gepunkteten Kleider durchaus Potential haben. Denn ich habe vor Kurzem hier bei s.Oliver irgendwo die gepunkteten Kleider im Chiffonstil gesehen, die zwar nicht ganz billig sind, aber trotzdem sehr schick aussehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.