Die Spargelfront

„Schönen guten Morgen!“
„Hallooo – bitte schön?“
„Ich hätte gern zwei Kilo Spargel 1. weiß und drei Schälchen Erdbeeren.“
„Das macht dann 20,60 bitte!“
„Jap, stimmt so“
„Vielen Dank 🙂 Schönen Tag noch!“
„Danke, das wünsch ich Ihnen auch!“
So ungefähr läuft jeder Dialog ab, wenn ich Spargel verkaufe. Oder Erdbeeren. Oder Kartoffeln.
Aber manchmal ist es auch lustiger. Der Altersdurchschnitt unserer Stammkunden liegt bei ca 70 Jahren und man weiß ja, wie gern manche alte Leutchen plaudern und schwatzen. Sie freuen sich, wenn man sich ihren Namen gemerkt hat, erzählen von ihren Kindern und Enkelkindern, und von dem Besuch der bald ansteht. Andere wiederum erzählen mir allerdings traurig, dass, seit ihr Partner gestorben ist, sie nicht mehr so viel Spargel brauchen, denn allein kann man nicht so viel essen. Auch wenn es zwischendurch traurige Themen gibt, merkt man, dass die Menschen dankbar und froh sind, wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt, um  mit ihnen zu erzählen.
Ein paar Erlebnisse werde ich sicher nicht mehr vergessen. Alte, lustige Männer wünschen sich mich als Tochter, oder bestellen dicken Spargel, „passend zu mir höhöhö“. Eine Frau hat sich besorgt erkundigt, ob ich Sonnenschutz bräuchte, als ich in der prallen Sonne saß. Als es einmal regnete und stürmte, fragte eine andere ob man mir „irgendwas gutes tun könne“, ob es vielleicht irgendwo heißen Kaffee gäbe. Einmal kam eine Frau mit zwei Söhnen, um die fünf. Einer der beiden kam hintenrum zur Tür meines Häuschens, und nachdem seine Mutter ihn ermahnte, sagte er mit viel Hochachtung: „Nur du darfst in das Häuschen richtig?“, während sein Bruder eine vermatschte Erdbeere aus dem Probierschälchen fischte und stolz verkündete: „Gut, dass ich die gefunden habe, oder?! Schließlich möchte niemand blöde Erdbeeren essen!“
Ich arbeite sehr gerne dort. Ich liebe es selbst, mit den Menschen zu reden, sie glücklich zu machen, indem ich  zum Beispiel die „blöden Erdbeeren“ aussortiere und das Schälchen anschließend mit „guten“ auffülle. Indem ich Witze oder ihnen Komplimente mache zu ihren Ketten, ihren Haaren, ihrer Kleidung. Indem ich ihnen guten Appetit wünsche oder viel Spaß bei der Hochzeit, zu der sie eingeladen sind. Außerdem ist es sehr entspannend, Geld dafür zu bekommen, wenn ich in der Sonne liege und lese 😉
Oder halt auch nicht:
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23 thoughts on “Die Spargelfront

  1. Das glaub ich sofort – ein toller Job! Hab mal in einem Fittnessstudio hinter der Theke gearbeitet und da gibts ähnlich viele nette und ab und zu traurige Gespräche. Oder Besucher, die mich mit ihren Söhnen verkuppeln wollen und solche Späße – großartig!

    Liefs, isa

  2. Schön arbeiten, wenn Sie Sinn geben, damit Sie den Tag ist wichtig.
    Ich liebe Gärtner, das ist ein Beruf und Hobby und mein Leben. Aber auch viele andere Dinge, die mich bringen gute Laune

  3. Ein Post zum Schmunzeln und Augenleuchtenlassen.
    Aus dieser Sicht hab ich das Spargel- und Erdbeerverkaufen noch nicht betrachtet.
    Liebe Grüße Ina

  4. Klingt wirklich nach einem tollen Job =). Ich glaube, Eisverkäufer ist auch toll, wenn man dann strahlenden Kindern das Hörnchen in die Hand drückt..

  5. pure liebe mit älteren menschen zu plaudern. allgemein mit fremden zu reden. man fühlt sich bemerkt und man fühlt sich einfach wohl. wenn ich in der apotheke meiner eltern aushelfe, bekomme ich auch immer wieder geschichten erzählt. göttlich 🙂

  6. wundervoll
    seit du von deinem nebenjob berichtet hast vor einiger zeit nebenbei erwähntest du das-muss ich immer an dich denken wenn ich an den kleinen häuschen vorbei komme die wie erdbeeeren aussehen (da passt du in meinem kopf noch besser hin *hihi*) das klingt nach einem guten job. ich arbeite derzeit im rahmen meiner ausbildung zur ergotherapeutin in der psychiatrie und ich muss sagen es ist der beste job aller zeiten undzwar wegen der menschen mit denen ich zu tun habe und den vielen kleinen und großen geschichten und momenten die man dort so teilt. ich liebe es- ich wünsche dir weiterhin sonne im herzen und auf der nasenspitze liebe leni-ich les dich so gern!
    lieben gruß anna

  7. Hm … Grüß mal meine Großeltern, denn dem ersten Bild nach zu urteilen verkaufst du dort, wo sie regelmäßig Spargel und Erdbeeren kaufen. 😉
    Lieben Gruß

  8. Hi Leni,schöne Homestory aus dem Spargel-Erdbeerstand!!!Ich musste echt schmunzeln…Ich hatte mal einen Job an der Milchbar im Freibad.Wenn schlechtes Wetter und wenig Kundschaft da war haben wir neue Milchshakes und das Süßigkeitenangebot im Selbstversuch getestet…gaanz schlecht für die Linie!!!
    Psychologisch gesehen ist ein Job hinter der"Theke" einfach immer super.Ich stehe heute noch gerne ab und zu auf dem Markt mit meinen "Geschichten" die ich verkaufe, dort hat man einfach den besten Überblick!!!
    GGLG astrid

  9. Ich hab mich grad so darin wiedergefunden. Meine Erdbeeren sehen genauso aus. Ebenso die Kartoffeln. Die Lukull verkaufe ich auch… nur die Preise unterscheiden sich dann doch etwas 😀
    ICh mag den Job auch total und bin schon etwas traurig darüber, dass die Saison bald vorbei ist :/

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